Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Zeit des Königs Chiskija und der zeitgenössischen Propheten
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
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68 Die Zeit des Königs Chiskija niß, welches die Assyrer vernichtet und die Gottvertrauenden so wunderbar verschont hat, scheint Nachunr aus lebendiger Erinnerung zu schildern. ״Der Herr ist zwar eifervoll und voll Jngrimnl gegen seine Feinde, aber er ist auch langmüthig und voller Gnade und vernichtet nicht. . . . Aber gut ist Gott und zum Schutze am Tage der Noth und achtet die, die auf ihn vertrauen. Und bei der einherziehenden Fürth machte er ein Ende den Gegnern, und seine Feinde verfolgt er mit Finsterniß". Das zum zweiten Male drohende Kriegsunglück traf nicht ein; seitdem Sanherib das Land verlassen hatte, sah es keinen Assyrer mehr. Chiskija konnte sich in's Grab legen mit dem Gedanken, daß ״Friede und Treue" in seiner Zeit waren. Es war eine große Zeit, in der Jesaia, Zacharia I., Micha und Nachunr prophezeiten, und die Korachiderr herrliche Psalmen dichteterr. Aller jüdischer Wolkswitz in -er nuchammedanischen Literatur. Eine der Aeußerungen des Volksgeistes, welche uns in dessen innerste Werkstätte einen Einblick thun lassen, ist der Volkswitz. Wie das Gemüth des Volkes in seinen Volksliedern, so kommt sein Witz und Scharfsinn in jenen unniittelbar ans dem Volke hervorgehenden Erzählungen zum Ausdruck, die gewöhnlich immer dieselben Personen als Träger der Handlung auftreten lassen. Die jüdische Literatur kennt zwar keiue Abderiten oder Schildbürger, aber Denkmäler alten jüdischen Volkswitzes finden sich auf den Blättern der Talmuds und Midraschim allenthalben zerstreut, häufig als Ausfluß des Alles colorirenden agadischen Geistes. Nirgends jedoch sind diese Neste mit so hervorstechenden Ztigen echter Volksthumlichkeit versehen, nirgends in so reicher