Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Ein hebräisches Apokryphon
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 542 (sequence 1)
- Language
- German
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542 Ein hebräisches Apokryphon. Lin heöräisches Mokrypßon. In der Septuaginta finden sich zum Buche Esther mehrere sagenhafte Bestandtheile, die jedoch nicht eines Charakters sind. Den zwei Gebeten Mardochai's und Esther's (ed. Tischeudorf I, S. 671 f.) liegen, dem hebraisirenden Wort- und Satzgefüge nach zu schließen, jedenfalls hebräische Originale zu Grunde, während die zwei Briefe, welche König Ahasverus feinen Völkern schreibt, einmal (ib. 669) zur Vertilgung, das andere Mal zur Lossprechung der Juden (ib. 677), nicht die geringste Spur von Hebraismen an sich tragen und auch durch den verwickelten Periodenbau sich als griechische Originale bekunden. Endlich beliebte es dem Bearbeiter des Buches, au die Spitze desselben den Traum Mardochai's und an's Ende die Deutung des Traumes zu setzen. Aus denselben Gründen, wie die erwähnten Gebete, schernen auch dieser Prolog und Epilog aus dem Hebräischen gefloffen zu sein. Glücklicheriveise nun sind die bezüglichen Originale nicht gänzlich verloren gegangen. Nicht nur enthält die eigenthümliche historische Compilation, bekannt unter dem Namen Josippon, jene Stücke in veränderter Fassung (lib. II, cap. 2—4), sondern auch der Esther Rabba genannte Midrasch hat von denselben große Fragmente. Zunz (Gottesd. Vort. S. 265) meint, der Sanrmler des Esther Rabba habe Josippon vor sich gehabt. Indessen für diesen Midraschcomplex lassen die frisch erhaltenen Züge und Verhältnisse aus der römischen Kaiserzeit, die große Anzahl der als Ur- Heber der Deutungen genannten Agadisten, die über das vierte Jahrhundert nicht hinausgehen, und andere Umstände ein bedentend höheres Alter in Anspruch nehmen. Und auch abgesehen hiervon, ist das Verhältniß der beiden Parallelstellen derart, daß man, wenn Rabba vollständiger wäre, gerade umgekehrt vermuthen müßte, Josippon habe den Midrasch benützt. Bios Einiges sei erwähnt. Statt וירא והנה רעש גדול וחוק ובהלה על הארץ ופחד ורעז לכל יושביה (R. zum Verse 4, 7) hat I. paraphrastisch und künstelnd;והיה רעש גדול ורעם חוק ועצום ותהי בהלה בכל ׳ הארץ ופחד ורעד לכל יושביה; — für וימסו לקולם unrichtig ויכנעו;