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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 11 · p. Seite 520

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 11
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 520 (sequence 13)
Language
German
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520 Die religiösen Bewegungen der Gegenwart den Glauben an gewisse religiöse Lehren, an die Göttlichkeit gewisser Bücher und alt die Wahrheit gewisser geschichtlicher Ueberlieferungen; zu d er Zeitrichtung, welche diesen Glauben bekänrpst, stehen Leide gleicherweise in Gegensatz, aber auch nur in dieser Beziehung. Nach allelt anderen Beziehungen läßt das Indenthum, orthodoxes ivie llichtorthodoxes, der Entwickelung des Zeitgeistes und dem Verhältnis; seiner Bekeimer zu ihr, volle Freiheit. Lasalle einer-, Riester andererseits, Kosch oder Laster könnten, als streng-orthodoxe Inden, gailz dieselben in politischer und socialer Beziehung sein, die sie sind oder waren. Unter den nichtorthodoxen Judeir hatte Mantensfel auch manchen Anhänger und Verehrer. Sageil unsere Geglier, daß die Refomrjuden im radikalen, die Orthodoxen im conservativen Lager zu sindeir seien, so ist das einfach unwahr, beruht auf snpponirter Solidarität von Religion und Politik oder socialen Ansichten, die bei uns *) gar nicht zutrifft; ja selbst mit den radikalen Gegnern der kirchlichen Orthodoxie sympathisirt mancher jüdische Orthodoxe, freilich י לא מפני שאוהב את מרדכי אלא מפני ששונא את המן Wie steht es nun zum zweiten mit der Anklage auf Obskurantismus und Herrschsucht des orthodoxen Judenthimrs? Dieses sollte die Geister verfinstern, Unwissenheit, Deickfaulheit u. dgl. fördern wollen?! Aber es dringt ja mit aller Kraft auf Lernen, Wissel!, Forschen, Denken! Es verlangt ja scharfe, klare Köpfe zu seiner vollen Auffassung. Das Studium des Talinud habe die Geister verfinstert, sei dazu geeignet?! Es ist wirklich kaum glaublich, daß dergleichen behauptet, nachgesprochen werden konnte. Wie groß muß die obscurrirende Macht des Phrasenthums sein, wenn Juden so dumm gemacht werden können, daß sie den Unterschied zwischen christlicher Orthodoxie, welche befiehlt ״Du sollst glauben" — was allerdings nicht ohne ObscurantiZmus angeht — und jüdischer, welcher gebietet ״Du sollst lernen", nicht mehr begreifen! Es könnte vielleicht Jemand geltend machen, daß das l) Sie trifft auch bei den Katholiken nicht immer zu (Lamcnnais und viele Andere!) aber dein Spruche des Papstes unterwirft sich der katholisch Gläubige. Der lutherische Pietist ist stets reaktionair in allen Dingen. Ihm fällt seit Jahrhunderten Staat und Kirche zusammen, der Katholik ist dagegen an den Gegensatz beider, daher an politische Opposition gewöhnt.

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