Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Lewis Way und seine Emancipations-Apologie
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 478 (sequence 2)
- Language
- German
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478 Lewis Way Die Benlerkllngeir eines Staatsmannes, der die höchste Achtung dieser erhabenen Versammlung genießt, ist zu gleicher Zeit ebenso anwendbar auf die allgemeine Verwaltung der Nation, als mit großer Genauigkeit auf daS Volk Israel, - Die Herrscher haben Einfluß auf das (S. 18.) Geschick der Völker durch die Allsübung ihrer Macht, und die Völker ihrerseits haben Einfluß auf die Rathschläge der Fürsten durch die machtige Wirkung der Meinung. Diese Wirkung gewinnt neue Kraft, wenn die Meinung eines Volkes befestigt wird durch die Uebereinstimmung mit mehreren Anderen, und wemr sie durch die Natur der Ereignisse eine der kräftigsten Ursachen ihres Triumphes geworden ist (Reden Sr. Exc. des Herzogs von Richelieu, 25. Nov. 1615). In den ersten Zeiten des Christenthums war die Kraft der öffentlichen Meinung vollständig gegen die unglücklichen Verbannten von Israel gerichtet. Die Weissagung ״Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden," wurde durch die Allslegung, die man ihr gab, ein Gebot der Bedrückung. In der blinden Verirrung eines unsimligen Eifers glaubten die Menschen und die Christen während einer langen Reihe von Jahr- Hunderten Gott einen angenehmen Dienst zu erweisen, selbst wenn sie jeden Befehl der zehn Gebote, jede Einschärfung des Evangeliums verletzten. Dieses Volksgefühl erstreckte seinen traurigen Einfluß über die Rathschlüge und Handlungen aller Herrscher der Erde, und die schmählichste Bedrückung wurde unter dem Vorwände geheiligt, die Rache des Allmäch- Ligen auszuüben ״durch den die Könige regieren und die Fürsten die (S. 19.) Gerechtigkeit vollziehen." Glücklicherweise für das Menschengeschlecht hat dieser Strom, wie so viele Andere, seinen Lauf geändert. Die Fortschritte der Wissenschaft, der Civilisation, der Philosophie würden allein genügen, dem Gange der Meinungen eine andere und entgegengesetzte Richtung mitzutheilen. Ihre einmüthigen Stimmen rufeil: ״Die Juden sind Menschen, sie haben Rechte auf die bürgerliche Wiederherstellung." Der Mächtige, der in unseren Tagen sich einfallen ließe, einen Israeliten grausame Qualen erleiden zu lassen, bis er seinen Theil an einem Zolle bezahlt hätte, würde sich dem Tadel und der Verachtung aussetzen. Die Grundsätze des Christenthums, die jetzt ihren Einfluß auf die Rathschläge der Fürsten ausüb eil, verbunden mit den bestimmt ausgedrückten Erklärungen der heiligen Schriftsteller über den in Frage stehenden Punkt bieten in den Augen des Göttesvolkes eine glänzendere Aussicht, als die der bloßen, negativen Duldung.