Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Drei Verse in Ezechiel Kap. 20
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829374-2829385-2864703--12338-2864748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
460 Drei Verse iit Ezechiel Kap. 20. hingegen gab sich für nichts weiter ans, als was sie war. Erst dann, ivenn man einzelnen, concreten Punkten der biblischen Literatur mit Aufmerksamkeit gefolgt ist; erst dann, wenn man aus der eigenen Gedankenwelt ganz und gar hinaus getreten ist und sich in die, uns so fern liegende, in fremden Bildern, Wendüngen, in fremden Begriffen und Anschauungen sich bewegende alttestamentliche Literatur versenkt hat: erst dann wird mau im Stande sein, objective Exegese anzubahnen. Ist damit etwas Neues gesagt? Keineswegs; diese Regeln sind allgemein bekannt. Aber inan behauptet auch, sie richtig anzuwenden. Und dies ist es eben, was wir, bestreiten. Einen schlagenden Beweis für die Richtigkeit unserer Behauptung liefern die Träumereien der neuen Bibelkritik über Ezechiel 20, 35—28. Man weiß, welche Verlegenheit diese Verse den jüdischen Bibelauslegeru bereitet haben. Allgemein bekannt ist es, auf welche Weise die christliche Dogmatik einerseits und die Bibelkritik andererseits diese Stelle ausgebeutet hat. Und doch beruht die Verlegenheit jüdischerseits, wie die Scheintriumphe christlicher- und bibelkritischerseits auf einem groben Mißverständniß. Hätte inan nur mit ruhigem Blicke die eigenthümlichen Wendungen, die die Propheten iu ihrem Vortrage nehmen, genau beobachtet, inan würde leicht eingesehen haben, daß wir es in den eben erwähnteil Versen.mit einer, im jüdischen Volke damals festgewurzellen Ueberzeugung zu thun haben, die der Prophet in indirecter Rede vorträgt und als die Quintessenz einer lästerlichen Uilverschämtheit bezeichnet. So viel wir wissen, ivar es in Deuschland Graetz, der zuerst (Geschichte der Juden, Band 10 p. 191, 1868) auf die eigentliche Bedeutung dieser Stelle, obschon nur beiläufig uild zu allgemein, aufmerksam gemacht hat. Dieselbe Entdeckung wurde vom Verfasser dieses früher genlacht. In den ersteil Monaten 1866 wurde sie, näher begründet und ausführlich auseinandergesetzt, als Theil einer größeren Arbeit über die Gehaltlosigkeit, der Hauptargumente der Bibelkritik für die Behauptung, daß Esra der Nedacteur des Pentateilchs sei, in enter holländisehen Zeitschrift mitgetheilt. Eine getreue Uebersetzung dieser Passage dürfte vielleicht iilancheiil Cxegeteit nicht ganz unwillkominen fein. Unter den sogenannten schlageitden Beweiseil, daß Esra der