Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 451 (sequence 1)
- Language
- German
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Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum. 451 Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Zudenthum. u. Die antircfijjtöfe un& die antikirchtiche Richtung.^) In den Zeiten des nntergeh enden Heidenthums vereinigten sich der grobe Materialismus Epikur's, der feinere der Stoiker, die Jdeenlehre Plato's und der Empirismus des Aristoteles, sammt allem, was aus hellenischer Philosophie und orientalischer Mystik zusammengeschweißt war, sowie Skepsis und rein negirender Spott, zur Untergrabung der alten religiösen Volksanschauuugen. Ebenso arbeiten jetzt verschiedene Richtungen gegen den Bestand des Kirchenthums zusammen. Wir haben auch durch Mommsen gelernt, wie viel dies Kirchenthum aus der alten römischen Staatsreligion ziemlich unverändert ausgenommen hat, so daß sich zwischen der Gegenwart und den letzten Jahrhunderten des Alterthnms manche interessante Parallele ziehen ließe. Da wir jedoch das Kirchenthnm hier weder angreifen, noch vertheidigen, sondern nur sehen wollen, inwieweit das Jndenthum von den Bewegungen berührt, resp. in Mitleidenschaft gezogen wird, so ist ein weiteres Eingehen auf jene Parallele entbehrlich. Sie würde aber auch das Wesen der Frage nicht treffen, denn die Verschiedenheit zwischen Alterthum und Neuzeit ist größer als die Aehnlichkeit. Die gemeinsame Wurzel, der die verschiedenen antireligiösen und antikirchlichen Richtungen entsproßt sind, war nämlich dem Alterthum fremd. Diese Wurzel heißt: Snbjectivität, oder, was ziemlich dasselbe sagt: Streben nach individueller Freiheit. Wir erinnern an Schiller nnd sein bekanntes Distichon über Religion^), an Schiller, den ') Fortsetzung vom Juliheft. ף Welche Religion ich bekenne? Keine von allen Die Du mir nennst. — Und warum keine? Aus Religion. 29*