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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 10 · p. Seite 434

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 10
Article
Aaron Hakohen und sein Ritualwerk Orchot Chajim
Date
1869-01-01
Page
Seite 434 (sequence 2)
Language
German
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434 Aaron Hakohm talmudischen Schriften des Mittelalters, welche während der Kreuzzüge entstanden sind. In diesen Schriften zeigt sich eine solch ruhige Behandlung des Gegenstandes, ein solches Versenken des Geistes in den zu behandelnden Stoff, das; es fast unglaublich scheint, daß diese Schriften in einer Zeit verfaßt worden seien, in der das Leben der Verfasser auf dem Spiele stand. Die Blüthezeit der nordfranzösischen sogenannten Tossafistenschule fällt sogar in die unglücklichste Periode der Geschichte der Juden in Frankreich, in das zwölfte und dreizehnte Jahrhundert. Man könnte die Geschichte dieser Zeit mit einer Tragödie vergleichen; die großen Verfolgungen der Juden in Blois, Bray und anderen Städten sind die einzelnen Acte, die öffentliche Verbrennung des Talnmds diente zur Beleuchtung der Scenerie, — die Verbannung der Juden aus Frankreich im Jahre 1306 bildet den tragischen Schluß. Während sich diese Tragödie abspielte, arbeitete der Geist des jüdischen Volkes, des eigentlichen tragischen Helden, mit der ganzen ihn: zu Gebote stehenden Kraft und schuf eine Literatur, die an Scharfsinn fast alle anderen Erzeugnisse des jüdischen Geistes übertrifft. Die Gelehrten vergaßen die sie umgebende feindliche Welt und schufen sich im Gesetzesstudium eine eigene ideale Welt, in der sie lebten und webten. Sie ließen sich durch die Verfolgungen in ihrer Geistesarbeit so wenig stören, wie jener griechische Gelehrte, der dem eindringenden feindlichen Krieger zurief: ״Verdirb mir meine Kreise nicht." Gab es doch jüdische Gelehrte, welche umfassende Werke mitten in den Verfolgungen schrieben, die Feder in der einen, den Wanderstab in der andern Hand. Zu diesen Gelehrten gehört auch Aaron Hakohen. Er schrieb nach der Verbannung *) aus seinem Vaterlande, der Provence, (1306) auf seinen Wanderungen unter unsäglichen Beschwerden sein großes Ritnalwerk ״die Lebenspfade" *) v. Grach Geschichte der Jaden B, VII p, 281,

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