Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Der Prozeß Eisenmenger
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 3)
- Language
- German
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427 Der Prozeß Eisenmenger. Gemüthern seiner Bekenner befestigt werden. Fast komisch, möchten wir sagen, nimmt sich die Besorgniß aus, daß viele Christen zum Judenthum übergehen könnten. Jedenfalls zeigt jedoch diese Furcht, daß die Darstellung Eisenmenger's vom Judenthume eine falsche war; denn wahrlich, eine Religion, die solchen crassen Aberglauben lehrt, die so viel Unsinniges und Wahnsinniges enthält, macht keine Proselyten, oder aber, es müßte angenommen werden, daß das Christenthum noch mehr Aberglauben lehrt und viel nn- und wahnsinnigere Dinge enthält. Am 8. August 1701 brachte E. zwei Zeugnisse von Jesuiten bei, von P. Fridericus Vincke, Professor der hebr. Sprache zu Mainz, und P. Caspar Kumes, vr. theologiae, Professor zu Würzburg, welche aussagten, daß sie das Buch geprüft und es verdienstvoll gefunden. Der Pfalzgraf und Kurfürst Johann Wilhelm befürwortete (Düsseldorf, 5. Sept. 1701) die Bitte E.'s beim Kaiser, daß das Buch frei- und demselben ein Privilegium gegeben werde. Er meinte, der Rath zu Frankfurt halte im Interesse der Juden die Gutachten über das Buch zurück. Diesen Stimmen gegenüber, welche für das Buch sprachen, ließ sich eine gegen dasselbe vernehmen. Der chnrfürstlich Mainzische geheime Rath, Resident am kaiserl. Hofe, Christoph Gudenus, berichtete im Sept. 1701, daß trotz des k. Verbotes einige Exemplare des Eisenmenger'schen Buches im Umlaufe seien?) Er schreibt femer: ״Es thut sich immer mehr und mehr herfür, mit was vor gefährlichen aufrührerischen, mehrentheils unerfindlichen imposturan es angefüllt, so weder den gelehrten oder sonst gescheidten zu einiger erudition oder Auferbaulichkeit, weder dem gemeinen Mann zu einiger Unterrichtung im geringsten nit dienen, sondern diese vielmehr zu allerhand schädlichen und gefährlichen ^nimositäte» und Empörungen concitiren und verleiten konnten, denen J) In ähnlicher Weise schrieb der österr. Resident in Frankfurt, Graf Schlick, 9. Oct. 1701 im Namen des Churfürsten: ״angesehen der Haß wider diese, so unlängst im Stifte Bamberg in einem großen Tumult und etwelches Blutvergießen ausgebrochen, nicht vergrößert werde und leicht noch mehr Unheil im selbigen und benachbarten Lande nach sich ziehen dürfte."