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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 8 · p. Seite 368

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 8
Article
Tendenz und Abfassungszeit der letzten Capitel des Buches der Richter
Date
1869-01-01
Page
Seite 368 (sequence 12)
Language
German
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368 Tendenz und Abfassnngszeit der letzten Capitel noch ein Uebriges! Er erwähnt rühmend die Schieß- und Kampffertigkeit Benjamins (20, 15, 16), bespricht ausführlich seine mehrfachen Siege (das. 17 ff.) und läßt das Gott befragende Israel Benjamin immer seinen ״Bruder" nennen. (Das. 23, 28). Es ist dies Alles gleichsam ein Pflaster auf die Wunde, die Benjamin etwa durch die Veröffentlichung des Gibeanischen Ereignisses empfängt. Auf der anderen Seite ist auch die lobende Anspielung auf Juda nur schwach und ohne daß sie Benjamin gradezu verletzen konnte, angebracht; die Worfle ״Juda voran" stehen nicht hier allein (vgl. Richter I, 2), aber geschickt sind sie doch hier so gestellt, daß sie sich nach dem Zusammenhänge und der Tendenz unserer Erzählung wie eine Vorbedeutung für die Hegemonie Jnda's, beziehungsweise Davids ausnehmen. Nach allen diesen Momenten scheint es mir gewiß, daß unsere Schrift ursprünglich eine Art Flugschrift gewesen, während des Theilkönigthums Davids verfaßt und an die Adresse Benjamins und seiner Freunde zu dem Zwecke gerichtet, um sie von ihren Sonderbestrebungen gegen die Herrschaft Davids für das regierungsmächtige Saul'sche Haus zurüäzuführen. Was nicht nothwendig zur Geschichte selbst gehörte, das hat der Verfasser, weil es geeignet war, die Aufmerksamkeit des Lesers von dem Kernpunkte abzulenken, weggelassen. So steht nun die Erzählung unter unseren heiligen Büchern als Stück einer nicht minder heiligen Tagesliteratur, welchem ein gottgeweiheter Prophet eine solche Dauer zu verleihen wußte, daß es, obwohl für den Tag geschrieben, für alle Zeiten seine Geltung bewahrt.

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