Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Tendenz und Abfassungszeit der letzten Capitel des Buches der Richter
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 10)
- Language
- German
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S6ß Tendenz und ALfassungszeit der letzten Capitol nung Sauls nöthig gemacht, eine deutliche Besprechung der Zeit- -Verhältnisse hatte vielleicht ein hartes Urtheil über das Verfahren Benjamins herbeigeführt, kurz in tausend Persönlichkeiten und Anzüglichkeiten, die in einem direkten Plaidoyer für die davidische Herrschaft initunterlaufen Waren, hätten sich der Absicht des Verfassers eben so viel Klippen entgegengestellt. Da bot sich ihn! denn jenes alte Ereigniß mit allen seinen zufälligen Einzelheilen als ein willkommenes Mittel, in Focin einer Geschichtserzählung, also ohne schroffe Berührung der Zeitverhältnisse aber doch schon durch den treuen Bericht der Begebenheiten selbst bestimmt genug darauf hinweisend, seine Absicht geschickt und mit begründeter Aussicht auf Erfolg an den Mann zu bringen. Die Anfangs-und Schlußbemerknng: ״In dieser Zeit war kein König in Israel" ist weiter nichts, als ein »vis au lecteur für Benjamin und Genossen, verständlich genug, sofern sie die übrigen Winke, wie zu erwarte!: war, verstanden. Die Stadt Gibea, wovon unsere Erzählung handelt, ist, wie schon Berthean (a. a. O. S. 217) bemerkt, aller Wahrscheinlichkeit nach der Geburtsort Sauls, daher auch Gibeath Saul genannt. Man konnte wohl schon ans diesem Amstande innerhalb Benjamins entnehmen, wohin eigentlick) der Verfasser mit seiner Erzählung und damit, daß er sie grade jetzt veröffentliche, ziele. Bedeutsamer aber erscheint nach dem nnnmehr gewonnenen Einblicke in unsere Schrift die Erwähnnng von Jäbesch-Gilead und seinen! Fernbleiben vom Kampfe. Jabesch-Gilead hegte für Saul und sein Haus besondere Spinpathie von jener Zeit her, ivo Saul diese Stadt von der Belagerung durch Nachasch, den Animoniten, befreit hatte (I. Sam. 11, 11). Jabesch-Gilead bewies auch feine dankbare Anhänglichkeit an Saul durch die ehrenhafte Bestattung seines Leichnams (II. San!. 2, 4); aber gewiß konspirirte er auch init Benjamin gegen die davidische Herrschaft. Dafür spricht schon der Umstand, daß David mit dem (einigermaßen diplomatischen) Danke, den er dieser Stadt für die Bestattung Sauls sagen ließ,