Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Das Talmudstudium
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 8)
- Language
- German
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354 Das Talimidstudim«. weisbare Forderung das Eingehen auf das Idiom des Talnrud heran. Die Grundlage des Idioms des babyl. Talnrud bildet das Aramäische des serusalemischen Talmud das Syrische hier wie dort stark hebraisirt. Eine fast ausschließlich syrische Färbung giebt sich im babyl. Talnrud in den Stellen kund/ die Benennungen non Krankheiten, Heilmethoden, Beschwörungen, Amulete u. dgl. enthalten: ein nicht zu übersehender Hinweis, daß diese Heilmethoden, Beschwörungen u. s. w. exotischen, wahrscheinlich nabatäischen Ursprunges sind. — Einen Beitrag zum rein Aramaischen liefern die inr babyl. Talmud vorkommenden gerichtlichen Formulare, vgl. Jebanrot 39, Gittin 86, Baba batra 154 u. s. w., ferner die unter dem Ausdruck היינו ראמרי אינשי mitgetheilten Sprüchwörter. — Als sehr wichtig wird sich auch bei der Untersuchnng über das vorerwähnte Prädominiren des Syrischeu bei Beschwörungen u. s. w. ergeben, daß der Talmud den Teufel, einen absolut bösen Geist, nicht kennt: er weiß nur von מויקין, neckischen, schadenfrohen Wesen, Kobolden im deutschen Volksmund, und auch sie sind mitunter dem Menschen freundlich gesinnt, auch dem Frommen dienstbar (vgl. Chultin 105 u. s. w.). Nicht minder als das Sprachliche beanspruchen bei alten, in entfernten Gegenden sich abwickelnden Werken Geschichtliches und Geographisches die Aufmerksanrkeit des Forschers. Im Talnrud, so sagt schon der erste Blick, liegt ein großes Stück der Geschichte der Juden vor, und welches bedeutende Gebiet eröffnet sich dem scharfer eiudringendeu Auge selbst an mancher unscheinbaren Stelle! Auch für die Geschichte der im Dunkel gehüllten Sassanidenperiode ergiebt sich hier manche nicht unbedeutende Ausbeute. — Die Geschichtskunde fördert aber auch das talm. Studrum und zeigt die praktische Entwickelung nrancher Halacha. Wir machen beispielsweise die im talnr. Recht scharf und in weiter Ausdehnung ausgeprägte Lehre über das Recht des angrenzenden Nachbars — רינא דבר מצרי —namhaft (vgl. Frankel, Der gerichtsiche Beweis S> 370 f.). — Es liefert ferner die richtige Orten-