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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 7 · p. Seite 333

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 7
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 333 (sequence 10)
Language
German
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und das Judenthum. 333 nünftige wird denn sagen ein Streit z. B. über die Auferstehung könne dahin geschlichtet werden, daß man vermittelnd annimmt: die Tobten stehen halb auf!? Freilich, die Theorie kennt keine Vermittelung, das Leben aber kennt sie nicht nur, läßt sie nicht nur zu, sondern: das Leben, das Zusammenleben, das gesellige, häusliche, staatliche, soziale und religiöse, ist ohne unablässige Vermittelung gar nicht möglich! Machen wir denn von diesem gewiß unbestreitbaren Satze die Anwendung auf den Gegenstand unsrer Discussion. Das Christenthum ist die Religion des Dogma, das Judenthum die Religion der Praxis. Daher ist die Kirchengeschichte eine ununterbrochene Kette von dogmatischen Streitigkeiten und von daraus bervorgegangenen Sektenbildungen, und jeder Versuch der Vermittelung hat, von den Tagen der Gnostiker bis zu der Union von 1817, nur zu neuen S p a l t u n g e n geführt. Das Indent hum dagegen hat zwar auch die Discussion, religionsphilosophische wie halachische, nie ruhen lassen, hat diese auch mit aller Scharfe und Energie geführt; aber es hat nie seinen obersten Grundsatz: '״ לא המדרש עיקר וגוnicht die Discussion ist Hauptsache, sondern die Praxis" außer Augen gelassen und daher stets Vermittelung gesucht rmd meistcns gefunden; sonst hätten nicht nur die Streitigkeiten über den Moreh, sonderrr ebenso wohl die bei jedem רק vorgekommenen halachischen Meinungsverschiedenheiten zu Spaltungen geführt. Die Theorie kennt zwischen בשר וטרפה, פטור וחייב, אסור וסותר ebensowenig ein Drittes, wie zwischen Auferstehen und Nichtauferstehen; aber jedes Capitel des ש״ע zeigt, wie die Praxis durch בשר בה״מ, לכתחלה ודיעבד u. s. w. u. s. w. vermittelt, oder wie man durch Sätze wie: או״א דברי אל׳ חיים, חוי מה עמא רבר כל מקום לפי מנהגו, u. s. w. die Differenzen ruhig neben einander bestehen ließ. Das ist die jüdische Auffassung der Sache, das ist, so zrr sagen, die Uebersetzung der Ansdrücke ״dogmatische Streitigkeiten, Orthodoxie, Symbolik, Jrenik rc. ins Jüdische. Andere Anwendung derselben führt nur zu Wortgefechten und Begriffsverwirrung. Treuenfels. (Fortsetzung folgt.)

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