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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 4 · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 4
Article
Analekten und Monatsbericht.
Date
1869-01-01
Page
Seite 189 (sequence 3)
Language
German
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Analekten und Monatsbericht. 189 cipation (Berlin bei Späth). — Der ultra-liberale Deputirte und Patholog Virchow befindet sich somit mit seinem Judenhaß in guter Gesellschast. In medicinischen Kreisen ist es kein Geheimnis warum die alten Juden, wie Herr Virchow in seinem Archiv sie mit bewunderungswürdiger historischer Treue geschildert hat, warum die alten Juden so intolerant und beinahe Menschenfresser waren, weil ein jüdischer Patholog in Italien Virchow's pathologisches System so gründlich kritisirt hat. Hinc illae lacrymae. Der Lieblingsdichter der Gegenwart, Berthold Auerbach, der immer mehr von den niedern Hütten der Dorfgeschichten ״zur Höhe" des Culturlebens hinaufsteigt, veröffentlicht eben einen weitangelegten Roman ״das Landhaus am Rhein" von ergreifender Zaubergewalt. Die tiefen Probleme der aktuellen Gegenwart treten darin wie verschieden gruppirte Klangfiguren vor das Auge, belehrend und ergötzend Zu gleicher Zeit. Tiefe Gedanken werden darin in leichtem Conversationstone besprochen und bedeutsame Vorgänge entwickelt. Auch das Judenthum kommt darin zur Sprache. Eine der liebenswürdigsten Roman-Persönlichkeiten, Graf Clodwig von Wolfensgarten, der das Ideale in jeder Hülle zu erkennen und zu würdigen weiß, bekämpft die Standeserhöhungen Bürgerlicher und stellt bei dieser Gelegenheit eine beherzigenswerthe Betrachtung an: ״So weit ich sehe, sind die Juden — ich kümmere mich nicht um Religion — eine beständige Mahnung, den Menschen nicht darnach zu beurtheilen, was er glaubt, sondern darnach, was er urtheilt. Die Juden sind, je nachdem man es nimmt, ein Volk von lauter Adligen, denn wer hat einen ältern, reineren Stammbaum? — oder auch sie sind stolz darauf, daß ihre Vorfahren einmal Sklaven waren. Ich verdanke einem alten Rabbiner, den ich einmal im Bade traf, einen großen Gedanken. B.... Welchen? Er sagte mir — es läge eine große Anreizung, um das Höchste zu erringen, im Gedanken an eine Vergangenheit, die einmal Sklaverei gewesen. Denn Vieles, was in den Juden wunderbar erscheint, erkläre sich aus dem Einen, und das ist das Höchste. Sie fuhren ihre Urgeschichte auf zeitweilige Sklaverei zurück. Sie waren Sklaven in Egypten. Das hatte ihnen etwas eingeflößt, einen Stolz und eine Demuth, eine Ausdauer gegen jegliche Unterdrückung, eine Erkenntnis; jeder Rechtsverkümmerung, jedes fremden Leidens und daraus ein Mitgefühl ohne Gleichen in der Geschichte."

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