Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Analekten und Monatsbericht.
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
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188 Airalekten und Monatsbericht. Hinter Meyerbeer erschallt nun erst recht Wagners Hep-Hep-Geschrei. Seine Kunst habe nur darin bestanden, Zu täuschen, und den jüdischen (Musik) Jargon als moderne pikante Aussprache seiner gelangweilten Zuhörerschaft vorzuführen. — Leipzig habe durch Mendelssohn-Bartholdy die Judentaufe empfangen, sie sei die Juden-Musik-Weltstadt geworden. Dort habe sich eine förmliche Judenverschwörung organisirt, Wagners Opern nicht zur Aufführung kommen zu lassen. Auch in Paris und London herrsche dieselbe Verschwörung gegen ihn. Die allgemeine Antipathie, auf die Waguer's Composilionen in London stießen, erklärt er sich nebenbei: ״aus dem eigenthümlichen Charakter der mehr auf dem alten, als auf dem neue!: Testamente fußenden englische!: Religio!:". — Alte seine musikalischen Gegner — und deren giebt es nicht wenige — stempelt er zu Juden. Herr Hanslick schließt seinen geharnischten Artikel mit den Worten: ״daß die widerwärtige Flugschrift ihrem Vers, wenig Freunde und wohl auch den Juden wenig Feinde zusühren wird. — Die maßloseste Selbstvergötterung hat hier einen Gipfel erstiegen, auf dein ein Mensch mit gestruden Gehirnfunktionen nicht mehr zu ath!nen vermag". Cardinal Rauscher charakterisirte erst jüngst die ganze liberale Presse Oesterreichs, wo nicht gar ganz Europas, welche die ultramontanen Wühlereien, die Mortara-Taufen und die Verdammung aller modernen Errungenschaften der Wissenschaft und der Freiheit verurtheilen, als Judenpresse, und Richard Wagner nennt die Musik mit gesunden: Geschmack, die kein Gefallen an seinen ״romantischen, unmelodischen, lärmenden und obstrusen Compositionen findet, Juden-Musik. Nun, wir können uns das gefallen lassen, daß wir als die Hauptträger des gesunden Menschen- Verstandes, des unverdorbene!: Geschmacks u!:d der liberalen Ideen gelte!:. Der Dritte im Bunde mit Cardinal Rauscher und Wagner bildet der liberale Staatsrechts lehrer Robert von Mo hl. In seinem jüngst erschienen Werke: Staatsrecht, Völkerrecht, Politik (UI. B.) zählt er die Emancipation der Juden in Europa zu den übereilten Schritten in der Tagespolitik. Die Juden verdienten keine Gleichstellung wegen ihrer doppelten Nationalität, oder eigentlich wegen ihren Physiognomien, v. Mohl ist schmerzlich von der Betrachtung bewegt, daß er die übereilt ertheilte Emancipation nicht rückgängig machen kann. Nach Gebühr hat diese anachronistische Deutschthümelei v. Mohl's D1\ Isidor Kastan abgefertigt in einer interessanten Brochüre: Herr Robert v. Mohl und die Judeneman-