Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Synode
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Synode. 171 Die Synode. Sendschreiben an einen Freund. Verehrter Freund! Sie setzen mir so leichthin die Pistole auf die Brust! Wo denken Sie hin? Ich soll meine Meinung in Betreff der ausgeschriebenen Spnodal-Versammluug geradezu aussprechen? Ja geradezu, wenn das Parquet für einen Eiertanz eingerichtet ist! Kann man nach Rechts oder Links das Anstoßen vermeiden? Wer Sie erinnern mich daran, daß ich selbst für eine solche Versammlung begeistert war und sind so liebenswürdig, Ihre Betheiligung an derselben von der meinigen abhängig zu machen. Sie fassen nrich an der schwachen Seite. Gut, so will ich denn aufrichtig sein. Denn ״der Rest Israels soll nicht Unrecht thun und auch nicht Täuschung sprechen." Die Halbheit, an der wir kränkeln, hat ihren Grund darin, daß die Charakterschwäche der Halben, der Schillernden und Schielenden durch den Mangel an Muth der Ganzen, zu entlarven, gedeckt und genährt wird. Daß ich's nur gestehe, es geht mir beinahe damit, wie es dem Minister Malesherbes ging. Beim Anblick des chaotischen Wirrwarrs am französischen Hofe und der Versumpfung des ganzen Staatswesens wünschte er nichts sehnlicher als eine Notabeln-Versammlung, die allein im Stande sein würde, das Chaos zu lichten. Als diese Versammlung zusammentrat und einen eigenen Ton anschlug, der die Sturmglocke der Revolution ahnen ließ, erschrak er vor der Erfüllung ׳seines innigsten Wunsches. Es ist richtig, woran Sie mich erinnern. Vor wenigen Jahren besprach ich in Paris mit einigen maßgebenden Freunden die zunehmende Anarchie im Judenthum und die Mittel, sie zu bannen, wenigstens zu hemmen. Als das Zweckdienlichste erschien uns eine gewissermaßen ökumenische Spnode, zusammengesetzt aus intelligenten Juden der civilisirten Länder Europa's. Wir gaben uns der jedenfalls unabweislichen Illusion hin, daß eine solche Versammlung im Stande sein dürste, das zum Theil gelockerte Gemeingefühl zu beleben, den