Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbi Israel Isserlein
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829374-2829378-2864198--11913-2864252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rabbi Israel Jsserlein. 131 tionen naher und entfernter Gemeinden. Seine klaren Decisionen, eine besonders reiche Quelle für Bestimmungen in Betreff der Ehegesetze wie der Abgaben- und Steuer-Verhältnisse jener Zeit, galten den nachfolgenden Lehrern, welche Jsserlein meistens mit der Bezeichnung: ״der Verfasser des?srumutk hadeschenu citiren, so sehr als Aussprüche einer allgemein anerkannten rabbinischen Autorität, daß sie häufig nach seiner Entscheidung die gesetzliche Bestimmung regelten und feststellten. Das Leben eines solchen Mannes, seine Thätigkeit nach den verschiedensten Richtungen hin wie seine Verbindung mit den damaligen Gelehrten müssen uns als ein wichtiger Beitrag zur Geschichte jener Zeit um so mehr interessiren, je dürftiger die bisherigen Mittheilungen über Jsserlein aus Quettenmangel in den GeschiHtswerken von Jost und Graetz, zumal in der Skizze Fränkels im Literaturbl. des Orients, Jahrg. VIII., S. 675 ausfallen konnten. Wir wollen daher in nachfolgender Darstellung versuchen, durch ein näheres Eingehen in die schriftlichen Productionen Jsserleins, wie in die seiner Zeitgenossen, vorzüglich aber durch Mittheilungen aus den der Königlichen Bibliothek zu München angehörenden werthvollen Handschriften (Ro. 404 — 405, deren Benutzung durch die Güte des Herrn Dr. Steinschneider uns ermöglicht wurde), das Leben und die Thätigkeit Jsserleins in detaillirter Weise vorzuführen. Unter dem Titel לקט יושר hat nämlich ein Schüler Jsserleins, Namens Josephs) Sohn des Moses aus Hochstädt (unfern Augsburg), eine Sammlung Alles dessen angelegt, was er selbst von seinem Lehrer gehört hatte oder ihm von seinen Studiengenossen im Namen des Lehrers mündlich oder schriftlich mitgetheilt worden war, wie sich der Sammler in der Vorrede hierüber ausspricht. Joseph hatte sich, nachdem er fünf Jahre lang zu den Füßen Jfferleins gesessen, in die Rheingegend begeben, wo er häufig nach den Entscheidungen Jsserleins für diesen oder jenen Fall befragt wurde, aber nicht immer im Stande war, gründlich zu antworten. Nachdem er hierauf wieder zu Jsserlein zurückgekehrt war, fing er an aufzuschreiben, was er von seinem Lehrer in dessen practisch religiösem Leben abgesehen oder in seinen Entscheidungen von ihm vernommen hatte. Joseph Zeichnete Anfangs diese Notizen im Geheimen auf. Sobald es aber bekannt geworden war, ermunterten ihn die Collegen, fleißig damit fortzufahren und nöthigenfalls die Notizen auch in deutscher Sprache niederzuschreiben, da Joseph eingewandt hatte, er verstehe nicht, das Hebräische correct zu ') Näheres über denselben s. weiter unten. 9*