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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 3 · p. Seite 129

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 3
Article
Zum Jubiläum der Cultusreform
Date
1869-01-01
Page
Seite 129 (sequence 8)
Language
German
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Zweiter Artikel. Die Gebetmacherer. 129 Siewollen, sie können nicht mehr beten; sie empfinden keinen inneren Drang mehr zu andächtiger Erhebung, nicht zu privater, nicht zu öffentlicher. Das ist die ungeschminkte Thatsache, deren unliebsames Zugeständnis; sie in angenehmer Selbsttäuschung unter dem vorgeschützten Bedtirfniß nach neu en Gebeten, neuen gottesdienstlichen Institutionen be- Mänteln; sie werden dabei freilich von dem Getrommel unserer Gebetbuchreformer weidlich unterstiltzt. Aber glaubt Ihr denn ehrlicher Weise, mit Eueren Gebeten, Eueren gottesdienstlichen Erbauungen den Zeitgenossen den geschwundenen Drang zum Gebete, zu andächtiger Erhebung wieder einflößen zu können? O Ihr glaubt es nicht, wie Ihr es denn dadurch auch nicht bewirken würdet, wenn Ihr es glaubtet! Nein, Ihr nehmet Ihnen durch Eure Gebetesabrikationen selbst den Respekt, die Ehrfurcht vor dem Gebete an sich (soviel von diesen letzten Resten eines religiösen Empfindens noch da ist), Ihr reißet den Zauber von einer achtunggebietenden geschichtlichen Schöpfung — die Einer, den Ihr fälschlich zu den Eurigen zählt, benutzte, dadurch auch Orthodoxe für das Neue gewann und Andern ein leuchtendes Beispiel gab, — indem Ihr sie in chemischen; Schnellverfahren nachzumachen sucht. Ihr redet Ihnen Euere Theaterblitze für wirkliche. Euere gemachten Sonnenaufgänge für natürliche ein, und Ihr werdet Euere großen und kleinen Gumpelinos in den Vorständen und Gemeinden endlich dahin bringen, daß sie vor dem wirklich en Sonnenaufgang gaffend ausrufen: Wie g emalt! Doch wozu in Bildern reden? Kürzet allenfalls den Gottesdienst, wo und wenn sich der unbestochenen Wahrnehmung ein Verlangen danach (das allerdings aus Religion entstehen kann) offenbart; aber Denen, die schon dumm genug geworden sind, von Euch neue Gebeteund gottesdienstlicheJnstitutionen zu verlangen. Denen saget, wenn Ihr ehrlich seid: ״Wir haben zuviel Achtung vor dem Gebete, vor der geheimnißvollen Art seiner Entstehung und Wirkung, als daß wir welche ״machen" sollten. Wir müssen dieses Amt einer religiösen Zeit überlassen, die wir an unserm Theile vorbereiteu helfen, wenn wir dieses Bekenntniß ablegen." Oder ist Euch Das, Ihr Aufklärer, mehr Aufklärung, als Euch paßt? — Dann freilich würde sich denn Mancher die Augen reiben und Frankel, MonatSschrist. xvm. 8. S

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