Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Religionsdisputation des R. Jechiel von Paris 1240 am Hofe Ludwigs, des Heiligen, ihre Veranlassung und ihre Folgen
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
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110 Die Religionsdispittation des R. Jechiel von Paris 1210 am teil wegen seines Bannes und durch seine Abneigung gegen den Talmud angefacht wurde. Dann stand eben zu dieser Zeit in Frankreich die Inquisition') in vollster Blüthe. Gesättigt von Ketzerblnt, hatten die Mönche mit diabolischer Geistesschärfe es erkannt, daß das Hinmetzeln selbst ganzer Völker ihren Sieg nur momentan sichern, daß aber allgemeine Verdummung sie zu ewigen Herren der Menschheit erheben könnte. In diesem Geiste hatte schon 1229 das Concil von Toulouse den Laien den Besitz der Schriften des alten und des neuen Testaments verboten: ״es sei denn, daß einer den Psalter, das Brevier oder die Horen der hl. Maria aus Andacht besitzen wollte." Aber selbst diese Bücher durften nicht in die Landessprache übersetzt sein. Ja das Concil von Taragona hatte schon 1234 für die romanischen Bibelübersetzungen das Auto-da-fe bereitet. ’) Auch der damalige Kanzler der Pariser Kirche, Odo von Chateanronx, war, wie der fernere Verlauf es zeigen wird, ein erbitterter Feind der Juden. Dazu kommt endlich als Ausschlag gebendes Motiv, daß König Ludwig, der sogenannte Heilige, einerseits die Juden so sehr haßte oder verachtete, daß er sie nicht sehen mochtet und andererseits, wie sein Beichtvater und Biograph Wilhelm berichtet, er, ein gehorsamer Sohn der Kirche, alle Befehle des päpstlichen Stuhles in Demuth empfing und mit Eifer ausznführen sich bestrebte. °) (Fortsetzung folgt.) ') Sie war durch Jnnocenz IIL zur Zeit der Waldenserkriege (1229) gestiftet worden und ihre Leitung den Jacobineru (Sansaeohei-Vominieanerpraedieatores) und den Cordeliers (minores-Praneiseaner) überlassen werden. (Essai sur l’histoiro de Provence v. Bouclie I. 303). Gregor IX. übertrug sie 1239 auf die Dominikaner allein. *) Herzog, Real-Encyclopädie s. v. Bibellesen II. 203 fs. 3) Quells und Eccard I., 129: Odo de Castro Rudolf! (Chateau Raoul) oder Castro Rufo, — iste tum eeclesiae Parisiensis cancellarius. 4) Joinville hist, de St. Louis bei Depping hist, des Juifs. 123. 8) Ouillelmus Carnotensis in Daunou et Naudet recueil des histo-