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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 3 · p. Seite 98

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 3
Article
Die Religionsdisputation des R. Jechiel von Paris 1240 am Hofe Ludwigs, des Heiligen, ihre Veranlassung und ihre Folgen
Date
1869-01-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 Die Relizionsdisputatiou des R. Iechiel von Paris 1240 am nmden Kampf der Vernunft mit der Unvernunft, als jene noch eine schwache Kinderstimme hatte, und diese mit Felsenkolossen gegen die Tadlerin schleuderte, fällt eine Disputation französischer Rabbinen am Hofe eines Königs, der selbst mit seinen abenteuerlichen Kreuzzügen den Stimmungswechsel in der Weltgeschichte andeutet. Diese Disputation ist zwar im Ganzen und auch im Einzelnen bekannt, dürfte aber durch einige Züge eine eigene Beleuchtung erhalten, welche sie aus einer querelle de famille zu einer Art eause oelebro von weltgeschichtlicher Bedentung erhebt. Auch in ihr äußert sich das Symptom des krankhasten Zustandes, in welchen die Kirche gerieth, als sie die olympische Ruhe anfgab und anfing, aufgeregt, auffahrend und zänkisch zu werden. Diese Religionsdisputation hat nicht die Proselytenmacherei inspirirt, wie die ein Jahrhundert später erfolgte von Tortosa, sondern es war eine Anklage gegen den Talmud und die Abwehr derselben. Die Anklage hatte nichts weniger zum Ziele, als den innersten Lebensnerv des Judenthums zu treffen und zu schädigen, die Juden aus ihrer geistigen Entwickelung hinabzustoßen auf das Niveau der Masse des Volkes, in dessen Mitte sie lebten. Denn unter Nationen wohnend, deren Institutionen, politische sowohl als geistliche, darauf hinzielten, das, was man damals Bildung und Wissenschaft nannte, einer einzigen privilegirten Klasse, der Geistlichkeit, vorzubehalten, boten die Inden im Mittelalter das überraschende Beispiel eines Volkes, dessen Glieder größtentheils dem Studium ergeben waren. Aus dem Tadel des Bischofs Wilhelm von Auvergne,') gegen die Objekte jenes Studiums erkennt n׳.an am besten, wie unbequem es den Trägern der Kirche war, und welchen Nutzen es für die Ausbildung eines logischen Organs gewährte. Und wohl hat die >) Opp. t, II, S. 643.

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