Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Eine alexandrinische Liebesgeschichte
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Eine Alexandrinische Liebesgeschichte. Man thafc ihnen nach dem Gesetze Mosis in der Weise, wie sie dem Nächsten zu thun in schändlicher Art beabsichtigt hatten, man richtete sie hin und es wurde an jenem Tage unschuldiges Blut gerettet. Heskia und seine Frau lobten Gott wegen ihrer Tochter, sowie Joakim, ihr Gatte und ihre Verwandten, dass an ihr keine schändliehe That gefunden wurde. Und Daniel wurde von diesem Tage an und weiter gross in den Augen des Volkes. So weit die Erzählung dem grösseren Theile nach. Das Unwahrscheinliche legt sich von selbst dar und es ist zu verwundern, dass das Buch Susanna je als canonisch anerkannt wurde. Scheint doch die plumpeDarstellungsweise selbst auf den Versuch einer Täuschung zu verzichten. Dieses tumultuarische Verfahren des Volkes, das die als tugendhaft bekannte Susanna ohne weitere Untersuchung auf blosse Aussage zum Tode verurtheilt, ist nicht nur unmotivirt, sondern dem Criminalprozessverfahren des mosaischen Rechts, das auf vielen Seiten auf genaue Untersuchung dringt, durchaus widersprechend. Und gerade Daniel, den der Verfasser verherrlichen will, erscheint in ganz entgegengesetztem Lichte. Der Ausruf: ״Ich bin unschuldig an diesem Blute!" ist ihm ebenso unsinnig in den Mund gelegt, wie sein die beiden Aeltesten von vornherein als Bösewichter brandmarkendes Verhör. Woher wusste Daniel vor noch nicht ge sch ebenem Widerspruche der Aeltesten, dass sie schuldig und Susanna unschuldig sei? Der kindische Verfasser hat auch vergessen, dass nach seiner Darstellung Daniel die Aussage der Aeltesten bestärkt und sich selbst als den Jüngling denuncirt, mit dem Susanna die verbrecherische That begangen. Wie konnte er sonst nach dem Baum fragen, da die Aeltesten gar nicht sagten, dass die That unter einem Baume begangen worden sei? Und nun das abermalige stürmische Verfahren bei Verurtheilung der Aeltesten, und noch dazu auf einen Widerspruch in der Aussage eines mit der eigentlichen That nicht im