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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 11 · p. Seite 417

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 11
Article
Die Alliance Israélite Universelle
Date
1868-01-01
Page
Seite 417 (sequence 17)
Language
German
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Die Alliance Israelite Universelle. 417 und Glaubensbrüder anerkennen. Soviel als möglich beobachten sie alle Ceremonien des mosaischen Gesetzes und fügen sich willig allen Entbehrungen, die der Glaube ihnen auferlegt. Lieber tausendfachen Tod erdulden, als den Bund mit dem Ewigen brechen, ist ihnen Grundsatz. Die Verschiedenheit ihres Ritus rührt bloss daher, dass ihre Ansiedlung in Aethiopien noch in die vortalmudische Zeit fällt. Oft ist sie auch aus einer verschiedenen Geber- Setzung des Bibeltextes entstanden־, Ihre Unkenntniss des Hebräischen ist von keiner Bedeutung, wenn man bedenkt, dass schon die jüdische Bevölkerung in Aegypten vor der Zerstörung des zweiten Tempels das Hebräische nicht mehr verstand Würde etwa Jemand es wagen, den jü• dischen Ursprung der Werke eines Philo zu bezweifeln? 2) Sie sind unglücklich Haben schon die anderen Be wohn er Abessinien’s in Folge des Bürgerkrieges viel zu leiden, so ist das Unglück der Falaschas unendlich grösser. Vom Grosshandel sich fernhaltend, können sie als friedliehe Handwerker nur mit Mühe ihr verlorenes Vermögen wiedererwerben. Doch noch mehr als den Verlust ihrer Güter beklagen sie den Raub ihrer Bücher. Eine grosse Anzahl Dörfer besitzt kein einziges Exemplar des Pentateuchs, auch die übrigen kanonischen Bücher sind sehr selten. Der Falascha muss seinen Jesaias oder seinen Psalter zu theuren Preisen von denen erkaufen, die sie ihm entwendet haben; freudig gibt er seine letzte Kuh hin, um zu seinem Buche wiederzugelangen, von dem er sich nicht trennen kann. 3) Sie zeigen ein lebhaftes Verlangen, sich geistig zu vervollkommnen. Kaum hatten sie von dem Vorhandensein Ihres Vereines vernommen, als sie freudig ausriefen: ״Welches Glück! Gott sei gelobt dafür, dass er unseren Brüdern in Europa Interesse für uns eingeflösst hat. Wir können zwar kaum lesen und noch weniger schreiben, wir kennen die Sprache der Propheten nicht, aber unsere Unwissenheit ist nicht eine selbstverschuldete, sondern durch unsere Armuth uns auferlegte. Unterweisen Sie uns, wenn Sie uns lieben, gründen Sie Schulen in unseren Dörfern, wir werden mit Freuden unsere Kinder dahin schicken. Für jetzt geben Frankel, Monatsschrift. XVII. II. 2־3

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