Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 416 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Die Alliance Israelite Universelle, drei Jahren das Project, nach Jerusalem zu ziehen, fallen. Nur Trümmer kehrten von der ganzen Schaar zurück; in einem bejammernswerten Zustande suchten sie ihre Hütten wieder auf, die mittlerweile Hyänen und Scorpione in Besitz genommen hatten. Ihre Noth ist grenzenlos, doch gereicht es ihnen zum Tröste, dass kein Missionär sich mehr bei ihnen blicken lässt. — Nach dieser Lata- Strophe erhoben sich die Falaschas, wie dies bei jeder Minorität der Fall ist, nur sehr schwer von ihrem Sturze. Die äusserste Armuth zwang sie, das Mitleid ihrer entfernteren Glaubensbrüder anzurufen. Die zahlreichen Heerden, die sonst ihren einzigen Reichthum bildeten — sie sind verschwunden. Der Falascha beschäftigt sich jetzt mit Weib und Kind beim Pfluge oder treibt Bergbau, urn nur nicht Hungers zu sterben. Aus Furcht, nichts von dem zu ernten, was er gesäet hat, überlässt er oft Anderen sein Feld und sucht sein Leben durch Handel zu fristen, der allerdings wegen der vollständigen Erschöpfung des Landes nicht sehr einträglich ist. Er besucht die Märkte, wagt sich sogar in die angrenzenden Ortschaften von Sudan, aber seine Mühe ist umsonst; auf dem Rückwege wird er von Soldaten oder Strassenräubern geplündert, kommt arm und hülflos zu Hause an, und Alles, was er den Seinigen mitbringt ist — ein väterlicher Kuss. Diese gedrängte Skizze wird genügen, um die Sympathieen der Alliance Israelite Universelle für diesen entlernten Zweig des israelitischen Stammes rege zu machen. Die Falaschas haben gerechte Ansprüche auf innige Th eilnähme von Seiten der europäischen Juden. Ihr Recht stützt sich auf folgende drei Punkte: 1J Sie sind Juden, 2) sie sind unglücklich, 3) sie haben das eifrige Bestreben, sich geistig zu vervollkommnen. Sie sind Juden, erfüllt von glühender Begeisterung für den Glauben und die Lehren der heiligen Schrift, die sie sludiren, in den Tempeln vorlesen und ihren Kindern lehren. Wenn auch ihre Hautfarbe sie von uns unterscheidet, die wir unter einer milderen Sonne geboren sind, so können wir sie doch im Hinblick auf ihre edlen Gesinnungen und vielen sonstigen Vorzüge mit Stolz als unsere Stammes-