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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 10 · p. Seite 380

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 10
Article
Zur talmudischen Geographie
Date
1868-01-01
Page
Seite 380 (sequence 2)
Language
German
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380 Zur talmudischen Geographie. auf Wunsch des römischen Machthabers (קיסר) von seinem Wohnorte aufgeschreckt, und sein erschreckliches Gebrülle haben Schwangere gebären, die Mauern Rom’s einfallen gemacht u. 8. w. — Es handelt sich nun um die Erklärung der zwei Thiernamen und um die Festsetzung der Ortsbestimmung. Im Jahre 1855 habe ich in dieser Monatsschr. (S. 281 ff.) קרש mit dem Fabelthiere f/,ovohsqcos erklärt -— eine Ansicht, in der ich, trotz des Widerspruches von Lewysohn1) (D. Zoologie d. Talmuds 8.152), durch einige Momente noch mehr bestärkt wurde. Von dem Einhorn herrschten bei den Alten die fabelhaftesten Vorstellungen, die griechischen Schriftsteller haben allerlei buntes Zeug über dieses Thier, dessen Existenz heute ganz in Frage gestellt ist, zusammengeschrieben und dessen Ursprung und Aufenthalt nach Indien verlegt (vergl. Plinius, Ktesias u. 8. w. bei Rosenmüller, d. bibl. Thierreich S. 190f.). Ein gleiches gilt von dem Tiger טגרס (rh^ts, tder gleichfalls nach Indien versetzt und mit dem Löwen verglichen wird (S. Lewysohn, 8. 70). Den Ort בי עילאי nun erklärt Aruch (8. טגרס) mit Wald ״llai“, was gar nichts für sich hat, dagegen Raschi beide Worte als einen Ortsnamen fasst. Zwar liegt die Bedeutung dieser cbaldäischen Worte auf der Hand, allein man kann doch nicht ״den Ort (Haus) der Oberen2)4* als einen Ort auffassen, wo Thiere hausen, vielmehr müssen sie ein ganz bestimmtes Nomen propr. sein. Bedenkt man aber, dass vom Einhorn und Tiger bei den Griechen Vorstellungen im Schwange waren, die mit der Beschreibung des Talmud übereinstimmen, und dass man beide auf den Bergen Indiens wohnen liess, so wird es einleuchten, dass wir auch unseren Löwen des בי עילאי den ״Löwen des Himälaya“ werden nennen, und also בי עילאי als Himälaya3) werden au||assen können. Die bedeutende lautliche Abweichung braucht uns keineswegs zu beirren. Bei Herübernahme fremder Namen aus anderen Sprachen war es dem Volke immer darum zu thun, das fremde Wort der eigenen Zunge anzupassen, es sich mundgerecht zu *) Der Oryx, den Lewysohn mit קרש identificirt, hat thatsächlich zwei Hörner. Oryx ist vielmehr der אורזילא des Talmud (Sebach 113b). 2) In diesem Sinne hat sich die Kabbala des Wortes bemächtigt. 3) Kohut’s Erklärung (üeber die jüd. Angelologie und Dämonol. etc, 6. 103): ״der arische Dreibeinige des Waldes" ist verunglückt.

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