Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
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206 Voltaire und die Juden. beliebt, dass sie und ihre Angehörigen wieder in Bordeaux zugelassen wurden. ■ Endlich im Jahre 1759 erhielten sechs Familien der Avignoneser Ausgewiesenen die Erlaubniss, für sich und ihre Nachkommen dauernd und 1111gehindert in dieser Stadt wohnen zu dürfen — für die Summe von 60,000 Francs, in sechs Jahren abzahlbar. Dadurch steigerte sich die Antipathie zwischen den portugiesischen und anderweitigen Juden nur noch mehr3 *). Die Ersteren machten die grössten Anstrengungen, neue Zuzügler, namentlich deutscher Juden, nicht ansiedeln zu lassen. — Dennoch hatten sich wieder ungefähr 152 jüdische Seelen in Bordeaux eingefunden, welche Anfangs als Durchreisende sich daselbst aufhielten und das Niederlassungsrecht dauernd zu erwirken suchten. Um dieses zu hintertreiben, vereinbarten die Portugiesen ein Gemeindesfcatut (1760), welches ganz besonders gegen die fremden Juden zugespitzt war. Ein Artikel bestimmte, dass, da die armen, zureisenden Juden, Vagabunden, ihnen zur Last fielen, sollten sie das Recht haben, dieselben durch den ersten Vorsteher (Syndic) ohne Weiteres innerhalb drei Tagen auszuweisen. Auch die bereits länger Angekommenen, ״eine beträchtliche Zahl Leute ohne Vermögen, deren Betragen ungeregelt ist, die sich als Glieder der Nation (Gemein de) nennen“, sollten durch Stimmenmehrheit der Gemeindeglieder ausgewiesen werden können. Es handelte sich dann darum, dieses herzlose Statut, welches die fremden Juden der Willkür des portugiesischen Syndicats preisgab, von dem Könige Ludwig XV. genehmigen zu 3) Auf diese Antipathie ist wohl auch das Factum zurückzuführen, dass, als Jonathan Eibeschütz sich in Folge der Ausweisung der Juden aus Prag und Böhmen unter Maria Theresia (1745) an die reiche Gemeinde von Bordeaux um Unterstützung der Elenden wendete, diese ihn nicht einmal einer Antwort würdigten (vergl. Eibeschütz5 Schreiben an die Gemeinde von Bordeaux. Monatsschrift. Jahrg, 1867. S. 429). Die Portugiesen von Bordeaux mochte von den Deutschen oder böhmischen Juden, ihrem Unglück und von dem polnischen Rabbiner Eibeschütz gar nichts wissen.