Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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. Voltaire and die Juden. 173 meinheit Voltaire’s, dass er seine eximirte Stellung und die gedrückte Lage der Juden nach dem damaligen barbarischen Gesetze zu seinem Vorth eil ansbeuten wollte. Das Stück: Tantalus im Process hat als poetisches Product einen sehr geringen Werth, aber als historische Urkunde ist es wichtig, wie der König Friedrich Voltaire als gemeinen Betrüger und Fälscher erkannt hat. Der Bruch zwischen dem königlichen Gönner und ihm datirt von dieser Zeit an. — Hat sich Voltaire später an dem König durch ein gemeines Pamphlet gerächt, worin er ihm die unfläthigsten Dinge aufbürdete, wie sollte er die Juden verschonen, von denen Einer Veranlassung zu seiner Schmach war? Sich an dem einen Juden zu rächen, durch den er gedemüthigfc worden war, schien ihm zu geringfügig5 das ganze jüdische Volk sollte dafür büssen, dass ein Sohn desselben zu Voltaire’s Entlarvung beigetragen hatte. Und nicht blos die Juden seiner Zeit, sondem die der vergangenen Zeiten, das ganze jüdische Alterthum sollte dafür gezüchtigt werden. Sein Hass gegen die Juden und das Judenthum hatte dieselbe Quelle wie sein Hass gegen Friedrich den Grossen. Freilich durfte er sich gegen jene mehr erlauben; sie waren schwach und konnten ihm nicht Stillschweigen auflegen. Die biblische Literatur schmähte er zwar von seinem ungläubigen Standpunkte aus, als bequeme Zielscheibe, da, wo er das Christenthum nicht erreichen durfte. Seine Beschränktheit nahm ihn ebenfalls dagegen ein, da er für die hebräische Poesie eben so wenig Verständniss hatte, wie für die griechischen Tragiker, wie für Dante und Shakespeare. Aber gegen das Judenthum bewaffnete ihn noch etwas ganz Anderes als sein Unglaube, seine satirische Laune und seine gewissenlose Schmähsucht. Es war verbissener Ingrimm. Jede Persönlichkeit des alten Testaments erinnerte ihn an Juden, und bei Juden dachte er an Acosta in London und Abraham Hirschei in Berlin, die ihn, wie er meinte, um Geld und Ruf gebracht haben. Wo Voltaire nur Gelegenheit hatte, von Juden alter oder neuer Zeit zu schreiben, tauchte er seine Feder in Galle und bedauerte es fast, dass er die Juden nur mit der