Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1868-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Voltaire und die Juden. Von Dr. Graetz. Seitdem der sinnvolle Psalmist der Stufengesänge jenen geflügelten Vers gedichtet hat: ״Vielfach haben sie mich von meiner Jugend an angefeindet, konnten mich aber doch nicht überwinden“, — es sind mindestens 2300 Jahre her -- wie viel Judenfeinde sind seitdem äufgetaucht, ohne dass es ihnen gelungen wäre, ihre giftigen Velleitäten zu realisiren! Wenn das Sprichwort Wahrheit enthält: viel Feind, viel Ehr’, so gebührte dem jüdischen Volke viel Ehre. Denn unstreitig hat kein Volk auf Erden so viele Feinde und, fügen wir hinzu, so wenig aufrichtige Freunde gehabt, wie das jüdische. Es Hesse sich eine ansehnliche Galerie füllen mit Charakterbildern aus allen Zeiten und Zonen von dem Urtypus des Judenfeindes Ham an bis auf einige Mitarbeiter der Kreuzzeitung und des Vaterlandes und den rumänischen Minister Bratiano. Das grösste Contingent hat Deutschland geliefert, ich meine von systematischen, ehrlichen Judenfressern, welche, wenn nicht den Untergang, so doch die Demüthigung der Juden als einen besonderen Kitzel empfanden. Indess hat jede Nation, mit der die Söhne Israels in Berührung kamen, einige Muster aufgestellt. Nur bei Wenigen derselben ist man im Stande, die Genesis ihres Judenhasses so zu verfolgen wie bei Voltaire, dem gefeiertsten Schriftsteller des achtzehnten Jahrhunderts, der dieses Jahrhundert gewissermassen nach einer Seite hin geschaffen oder ihm sein Gepräge aufgedrückt hat. Frankel, Monatsschrift. XVII. 5.