Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mendelssohn-Skizzen
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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Mendelssohn - Skizzen. 85 Sie um gemessene Ordre zu bitten. Littera non erubescit, dachte ich. Man kann weit besser auf sein Recht bestehen, wenn man etwas aufzuweisen hat, darauf man sich stützt. Indessen schien mir das Hin- und Herschreiben, zumal bei jetzigem Eisgänge, zu viel Zeit zu erfordern, und ich entschloss mich, es zu wagen. Ich werde also heute oder morgen Ihr Schreiben abgeben und sehen, wozu sich M. entschliesset. Allenfalls schliesse ich bis auf Ihre Genehmigung, wenn er sich unbillig zeigen sollte. Alles dieses, mein Bester! belieben Sie in allen Fällen nicht zu unterlassen. Bedingen Sie sich die Hälfte des Honor. gleich nach dem Abdrucke des ersten Theils aus und behalten den zweiten Theil so lange zurück. M. ist ein junger Anfänger, der nicht viel Vermögen hat und viel unternimmt. Es scheint ihm oft mehr an Fond, als an gutem Willen zu fehlen. Vorsicht kann also nicht schaden; von mir aber würde es unschicklich sein, irgend ein Misstrauen dieser Art zu erkennen zu geben. Und hiermit genug von der Geldsache! Ich habe Ihnen noch ein paar Worte über die Laune zu sagen, mit weleher Sie immer noch auf das Thun und Lassen der Mensehen zu sehen scheinen. Immer noch schmollende Philantropie, die auf der Neige steht, in Misantropie herab zu sinken. Dieses ist mehrentheils der An theil der Besten unter den Menschenkindern. Sie suchen sich ein Ideal von Menschen, spannen ihre Forderungen sehr hoch und wenn sie diese Forderungen in der Welt Gottes nicht erfüllt sehen, so kehren sie in sich zurück, schelten bald die Welt, bald ihre eigene Philosophie und sind in Gefahr, mit beiden in beständiger Uneinigkeit zu leben. Aber in der That, mein verehrungswürdiger Menschenfreund! geht es uns Allen so, nur so lange wir auf der Schwelle der Weisheit stehen. Ein näherer Hintritt zum Altäre dieser Gottheit giebt eine weit bessere Aussicht, bringet uns in Harmonie mit uns selbst und macht uns zufrieden mit Gott, mit seiner Welt und mit uns selbst. Wenn Ihnen gleich diese Maximen jetzt trivial und abgedroschen scheinen, so bin ich doch versichert, sie werden Ihnen