Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 4)
- Language
- German
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78 Recensionen und Anzeigen. Jugend Gelegenheit in Prag die Sabbatianer zu beobachten; ihre Zahl war zwar nicht gross, aber es herrschte unter ihnen ein inniges Zusammenhalten. Ihr äusseres und häusliches Leben war streng talmudisch religiös, ihre Orthodoxie erstreckte sich sogar auf die Kleidung, sie waren mit dem damals den frommen Juden erkennbar machenden Dreimeister oder einem dreieckigen Hute, unter welchem ein Käppchen, bekleidet. Auch heiratheten sie Frauen aus frommen Häusern, die das Leben des elterlichen Hauses weiter führten und ihre Männer waren mit ihnen hierin ganz einverstanden. Der Umgang dieser Anhänger Sabbatai* Zewi's wurde gerade nicht geflohen, aber auch nicht gesucht. Sie hatten ihre eigene von ihnen besuchte Synagoge in dem Hause, des, wie es scheint, damals an ihrer Spitze stehenden J. Wehl.; welche Gebete sie daselbst verrichteten, war nicht bekannt, doch wurde allgemein — und wohl auch der Wahrheit nahe •— behauptet, der Tag der Zerstörung Jerusalems (9. Ab.) sei ihnen ein Freudentag, da nach ihrer Behauptung der Messias in der Person S. Zewi’s gekommen sei. Auf das Gerede, dass sie in ihrer Synagoge Orgien feiern, wurde nicht nur kein Gewicht gelegt, sondern man betrachtete es als Verläumdung, da ihr Lebenswandel sittenrein war und sie nach der Seite ihres moralischen Charakters allgemeine Achtung genossen. Die damalige Lage der Juden in Oesterreich war durch viele Beschränkungen sehr gedrückt und es gab manchen Schwachen, der sich hierdurch zur Abschwörung des Judenthums drängen liess; von den gedachten Sabbatianern hat nie Jemand das Judenthum verlassen und auch ihre Kinder blieben treu dem Judenthum. Um so befremdender scheint folgender dem Ref. aus Autopsie bekannter Zug. In katholischen Ländern läutet wie bekannt um zwölf Uhr die Glocke, als Zeichen zum Gebet, gläubige Katholiken hören auf dieses Zeichen. Ref. ging einst des Vormittags in einer Strasse, in die auch der obengedachte, seiner ganzen Bekleidung nach, wie durch einen grossen, damals noch nicht Mode gewordenen Bart den Juden repräsentirende J. Wehl, trat; es läutete zwölf und J. Wehl, zog den Hut ab und ging so durch die ganze Strasse! — Hiermit würde wohl zusammenhängen, dass manche Prager Sabbatianer — nicht nur der von seinem Vater gesandte Herr v. P. (in der Monographie wird ungenau angegeben, auch mit Willen seiner Mutter; seine Mutter,