Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Emanuel Osmund und Jean Paul
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
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Emanuel Osmund und Jean Paul. 45 Erde, und zwar in die palästinische, eingewurzelt ist. Sagen Sie mir Ihre Meinung über den kleinherzigen Zwanggeist in Vorschriften wie folgende: Wenn Einer am Sabbath ein Geschwüre anfzwickt, um es zu öffnen, so Übertritt er ihn, weil es eine Art bauen ist; aber es schadet gar nichts, wenn er’s aufmacht, um die Feuchtigkeit herauszubringen (M. Edajoth, Kap. 2. M. 5). So die Untersuchung im Kapitel vorher, wie viel Todtengebeine dazu gehören, um ein Haus zu verunreinigen — und so alle Bücher des Talmuds, die ich gelesen. Womit ein Katholik, ein Lutheraner den Rabbi rechtfertigen muss, ist das: sobald einmal z. B. der Glaube zulässig ist, dass ein Todter verunreinige: so muss der Talmudist doch die Grenzen dieser Verunreinigung untersuchen dürfen, bis er heraus hat, dass einGeräthe, das ein Geräthe berührte, das wieder ein anderes berührte, das ein Todter berühret, im ersten Grade unrein sei. Und wenn wir den Katholiken die Heilung durch Todtengebeine glauben, so dürfen wir auch untersuchen, ob nicht Dinge, die an andere Dinge gestossen, welche das Todtenbein berührt haben, selber gesund machen können? Der Philosoph kann dazusetzen: wenn einmal die moralische Ergebenheit gegen den Schöpfer durch ein körperliches Zeichen ausbrechen soll: so ist die Wahl des Zeichens, da jedes Körperliche gleich unendlich weit vom Geistigen absteht, gleichgültig, und zwischen Taufwasser und Beschneidung und zwischen dem Fasten am christlichen und und zwischen dem Schmausen am jüdischen Schabbas ist als körperliche Handlung kein Unterschied, ausser dass die letztere Ceremonie ein wenig angenehmer ist. Ihre Religion überholt darin unsere, dass sie keine einzige theoretische Unbegreiflichkeit und Kontradikzion wie unsere fordert. Ein Philosoph kann leichter ein Talmudist als ein Orthodox sein. Gerade Religionen und Völker mit vielen scharf abgeschnittenen Ceremonien verwittern später in Wind und Wetter der Jahrhunderte, als andere mit weniger Ceremonien: so die Sinesen, Braminen, Katholiken und Juden — je näher aber eine Religion (wie die reformirte) der Philosophie kommt, desto öfter ändert sie, wie die Philosophie selber, Körper und Kleid. Wenn