Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 12
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 4)
- Language
- German
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476 Recensionen und Anzeigen. die durch sie involvirten Absonderungen aufzugeben. — Was nicht ein schweizerischer Freiheitsmann zu ersinnen vermag und welchen Begriff er von Freiheit hat, die doch mit Gewissensfreiheit beginnt. Auch die sogenannte Aufklärung hat ihren Fanatismus; einem Fanatiker ist aber wohl ein anderer Platz als ein Präsidentenstuhl anzuweisen' Das zweite Eingangs erwähnte Schriftchen hat den Werth״ dass es des Pudels Kern zeigt. In St. Gallen haben sich seit einiger Zeit Juden niedergelassen, von denen einige die Metzgerei betreiben. Die dortigen christlichen Fleischer befurchteten in ihrem Gewerbe beeinträchtigt zu werden, es wurde nun Lärm gegen das Schächten als Thierquälerei geschlagen, zwei Experten wurden berufen und diese gaben ihr Gutachten ab, das Schächten sei Thierquälerei. Wie hoch der Wissenschaftsgrad dieser Experten anzuschlagen sei, ergeben die oben erwähnten Gutachten der Celebritäten Europa’s; vielleicht mögen hier humane Rücksichten auf das den christlichen Schlächtern St. Gallens drohende Unheil oder das post nummos virtus mitgewirkt haben. Die Regierung erliess nun das Verbot des Schächtens, und Herr D1\ Engelbert weist aus denselben Gründen wie Dr. Kayserling das Falsche der Annahme, dass Schachten Thierquälerei sei, nach. — Man würde es übrigens kaum glauben, der Gr. Rath des Cantons Aarau hat das Gutachten, der, wie es scheint, ziemlich unwissenden Experten zu St. Gallen zur Grundlage seines Verbotes des Schächtens genommen, obschon die aargauischen Experten in einer gerichtlichen Eingäbe das Gegentheil behaupteten! Doch den Gr, Rath leitete ebenfalls noch ein anderes Motiv: durch endliche Abschaffung der Speisegesetze Aufklärung zu verbreiten!! F. i I )