Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 12
- Article
- [Rezension] / u.
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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468 Recensioncn und Anzeigen. sich mehrere jüdische Gelehrte der Aufgabe unterzogen, die Geschichte einzelner jüdischer Gemeinden, welche durch ihre hervorragendere Bedeutung besonders viel Veranlassung zu einer eingehenden Untersuchung boten, zum Gegenstände einer monographischen Forschung zu machen. Mit ganz besonderer Genugthuung aber müssen wir registriren, dass in allerjüngster Zeit es vornehmlich christliche Gelehrte waren, die der jüdischen Geschichte ihre Aufmerksamkeit zugewendet haben. Neben der vortrefflichen Leistung, welche uns Stobbe in seinem jetzt geradezu schon unentbehrlichen Buche über die Juden im Mittelalter geboten hat, und Ernst Weyden’s ״Geschichte der Juden in Köln am Rhein“, welche beide schon in diesen Blättern eine eingehendere Beurtheilung erfahren haben, ist es das oben bezeichnete Buch, das mit anerkennenswerther Unparteilichkeit und rein objectivem Sinne, ohne nach dieser Seite hin einen anders glaubenden Verfasser zu verrathen, die jüdische Geschichte betrachtet. Referent hätte schwerlich entscheiden können, ob er in dem Verfasser einen jüdischen oder christlichen Schriftsteller zu erblicken habe, wenn nicht manche Ausdrücke und Redewendungen, die jedoch für die ganze Anschaiiungsweise des Verfassers von gar keiner Bedeutung sind, ihn für das Letztere bestimmt hätten. So gebraucht der Verfasser Seite 74 den Ausdruck ״langer Tag“, welcher in manchen Gegenden Deutschlands den Christen zur Bezeichnung des Versöhnungstages dient־, ebenso lässt der ״jüdische Weihnachten“ S. 175 den nichtjüdischen Verfasser verirmthen, dem der Name des dort wahrscheinlich gemeinten Chanukafestes fremd, oder wenigstens ungeläufig ist. Auch das oft wiederkehrende ״Barnosh“ für ,,Parness“ zeigt, dass wir es hier wohl nicht mit einem jücjisehen Autor zu thun haben. Die Thatsache aber, dass erst derartige geringfügige Aus- Stellungen in dem Leser des Buches den Gedanken erwecken, dass ihm hier wiederum eine Bearbeitung jüdischer Geschichte durch christliche Iiand vorliege, kann dem Herrn Verfasser sicherlich nur zur Ehre gereichen. Es scheint, dass nun endlich auch bei der Beurtheilung des jüdischen Volkes der Grundsatz Platz greifen soll, der bereits auf allen Gebieten menschlichen Wissens anerkannt ist und auch allein eine vorurteilsfreie Ge- Schichtsanschauung vorbereiten kann; wir meinen den Satz, den