Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Einige handschriftliche Briefe von Jonathan Eibeschütz
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 1)
- Language
- German
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4G0 Einige handsciiriftl. Briefe von Jonathan Eibeschiltz. Einige handschriftliche Briefe von Jonathan Eih eschütz. iSchl us.9.) Der folgende Brief Eibeschütz* an die Wormser Gemeinde (No. IV) bietet mehr Interesse, und er iilustrirt Eibeschütz’ Verfahren wider seine Gegner. —- Um den Inhalt würdigen zu können, muss der Stand des Streites kurz vorausgeschickt werden. Nicht lange nach seinem Antritt des Rabbinats der Drei ־ Gemeinden ausgebrochen (Anfang 1751), hat diese Spaltung mehrere Phasen durchlaufen. Die erste Wendung trat ein, als Jakob Emden, der erste und zäheste Gegner Eibeschütz', gewissermaassen aus Altona verbannt wurde, und in Lublin Eibeschütz’ heissbliitiger Jünger und Parteigänger R. Cliajim, Rabbiner dieser Gemeinde, Emden und zwei andere Gegner seines Meisters, den Lothringer Rabbiner Nehemia Rauscher und einen Metzer Gemeinde- Vorsteher, in den Bann legte. Erst durch diese flagranten Vorg’änge wurden die meisten deutschen Rabbinen, auch R. Jose ha Falk in Frankfurt a. M. und R. Leb in Amsterdam, gewissermaassen hingerissen, Partei zu nehmen (Frühjahr 1751). — Die zweite Phase bildet die erste Entscheidung des Königs Friedrich IV. von Dänemark in dieser Angelegenheit zu Gunsten Emdens und seiner Partei (Sommer dess. J.). Die dritte Wendüng trat mit der im entgegengesetzen Sinne erfolgten Entscheidüng des Königs (Nov. 1752), welche Eibeschütz’ Gegnern bei Androhung von Strafe Stillschweigen auflegte: ״dass künftig keiner etwas zur Verunglimpfung und Deshonneur des Ober- Rabbiners von Altona in Schwang bringen sollte". Diese Entscheidung basirte auf die Annahme, dass sich fast säinintlichc Synagogen, Rabbinen und Gelehrte zu Eibeschütz’ Gunsten ausgesprochen hätten. Das war aber eine factische Unwahrheit. Denn, wie schon erwähnt, hatten die meisten deutchen Rabbinen und auch einige italienische die verdächtigten Amulete als ketzerisch verurtheilt und Jonathan Eibeschütz aufgefordert, sich von dem Verdachte der Ketzerei zu reinigen. Nur in Polen, Mähren und Böhmen hatte er viele rührige Parteiganger. Daher remonstrirten seine Altonaer Gegner gegen diese