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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 12 · p. Seite 458

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 12
Article
Gedächtnisrede J. Mohl's auf S. Munk
Date
1867-01-01
Page
Seite 458 (sequence 6)
Language
German
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458 Gedächtnissrede J. Mohl’s auf 8. Munk. den griechisch-arabischen philosophischen Systemen, welche in allen Schulen herrschten. Maimonides unternahm es, Ordnung zu bringen in dieses Chaos von Meinungen und sich widersprechenden Ansichten, die frommen Gemüther zu beruhigen durch die Darlegung, dass die Philosophie sich mit dem Glauben verbinden könne, und die Jünger der Philosophie zum Glauben zurückzuführen durch den Nachweis, dass die in einem früheren Werke von ihm aufgestellten dreizehn Glaubensartikel mit den philosophischen Wahrheiten vereinbart seien. Sein System stimmt im Allgemeinen mit dem der Peripatetiker überein, entfernt sich aber von ihm in einigen grossen Fragen, so beispielsweise in der Frage über die Schöpfung, und er bedient sich derselben Freiheit in der Auslegung der Bibei, wo er, wenn seine These es erheischt, nicht anstehet, einen metaphorischen oder allegorischen Sinn anzunehmen. Maimonides entwickelt sein System mit allen Quellen seines Wissens und bedient sich einer Beweisart, deren Form den Subtilitäten der Talmudisten und der Pedanterie der Scholastiker entlehnt ist, aus welcher man jedoch eine gewisse Poesie(!) und die Kraft eines den Argumenten, die er, um sich Gehör zu verschaffen, anwenden muss, weit überlegenen Geistes herausfühlt. Dieses Buch verursachte die heftigsten Stürme in den jüdischen Gemeinden und fand einen ungeheuren Anklang in den christlichen Schulen, für die es nicht bestimmt war. Heute, wo der theologische Kampf sich auf ein ganz anderes Gebiet hin überverpflanzt hat, wo die Streitfrage ganz anders gestellt und aüsgefochten wird, bleibt der ״Führer der Verirrten" ein merkwürdiges Merkmal des menschlichen Geistes und eine Fundgrube, um sich über die arabische und scholastische Philosophie des Mittelalters zu belehren und über die Weise, wie damals diese grossen Fragen, die stets die Menschheit bewegen werden, behandelt wurden. Dieses so berühmte Werk war jedoch nur durch zwei Uebersetzungen gekannt: eine hebräische, die Ibn Tibbon, ein Schüler Maimonides’, verfasst und die so buchstäblich ist, dass sie schwer verstanden werden kann; die andere

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