Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Authentische Actenstücke über die gegenwärtige Lage der Juden in Serbien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 6)
- Language
- German
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446 Authentische Actenstücke über d. gegenwärtige Lage durchsetzte, dass das Decret, welches alle Juden aus dem Innern des Landes verbannt, zurückgenommen wurde, so erlangte ich doch wenigstens eine Milderung desselben. Seit dieser Epoche sind die unaufhörlichen Anstrengungen des Consulats vergeblich geblieben, und die Zahl der jüdischen Familien, die im Innern Serbiens Handel treiben, welche sich früher auf ca. 60 belief, ist um mehr als die Hälfte reducirt worden. Ebenso gross ist die Abnähme der jüdischen Bevölkerung in Belgrad, die von dem Klein-Handel mit dem Innern des Landes lebt, und die von 2000 Seelen auf 1000 gesunken ist. Eine klare Schilderung des früheren Schicksals der Juden und der unglücklichen Lage, in welche sie gerathen sind, befindet sich in der Depesche von Herrn Ricketts, d. d. 28. Juli 1863. Sie werden auch aus den Depeschen des Herrn Consul Bluet ersehen, dass bei zwei verübten Mordthaten und einem Raubanfall die Intervention meines Consulats den Juden nicht zum Nachtheil gereicht hat. Desgleichen werden Sie in meiner Depesche vom 10. August genaue Aufschlüsse über diese Thatsachen, sowie die Ueberzeugung, zu der ich gelangt bin, ausgesprochen finden, dass die Motive, welche für die Aufrechterhaltung der hart auf den Juden lastenden Beschränkungen von der serbischen Regierung vorgebracht worden und die in der erwähnten Depesche wiedergegeben sind, wenig Raum zu der Hoffnung geben, dieselben von dem Drucke befreit zu sehen, der systematisch gegen sie geübt wird. Was nun die Schritte betrifft, die gegenwärtig etwa zu Gunsten der Juden geschehen könnten, 80 halte ich es für meine Pflicht, offen auszusprechen, dass ich keinen unmittelbaren Erfolg mir davon zu versprechen wage. Als ich Herrn Garaschanin meine Aufwartung machte, zeigte es sich mir, dass er entschlossen ist, keine weiteren Concessionen zu machen. Um jede unnütze Discussion zu vermeiden, gestand ich ihm gleich im Anfang unserer Unterredung zu, dass die Gewalttätigkeiten, über welche sich die Juden beklagten, von ihnen übertrieben dargestellt seien. In der Thafc haben ja diese Klagen keinen ernsteren Grund, als die Verbrechen, deren die Christen