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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 12 · p. Seite 445

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 12
Article
Authentische Actenstücke über die gegenwärtige Lage der Juden in Serbien
Date
1867-01-01
Page
Seite 445 (sequence 5)
Language
German
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der Juden in Serbien. 445 beschlossen habe, die Juden aus dem Innern des Landes zu vertreiben, weil man sie beschuldigte, dass sie Emissäre und Spione der Pforte seien. Dieses Motiv wurde mit besonderem Nachdruck geltend gemacht, um die gegen die Juden ergriffenen harten Maassregeln zu rechtfertigen, obwohl auch noch ein anderes dazu kommt, von welchem ich ebenfalls sprechen werde, und welches noch mehr zur Verschlimmerung ihrer Lage beigetragen hat. Erst vor wenigen Wochen sprach sich der orthodoxe Erzbischof von Belgrad in einer Unterredüng, die er mit Herrn Palotta, einem Mitgliede der Judenbekehrungs-Gesellschaft zu London hatte, dahin aus, dass man die Gesetze, betreffend die Ausschliessung der Juden, nie zurücknehmen werde, weil man wüsste, dass sie die geheimen Agenten und Spione der Türken seien. Dass ganz Serbien lange Zeit hindurch der Herd der Empörungen und Verschwörungen gegen die Pforte gewesen ist, und dass die Pforte sich aller Mittel, über die sie verfügt, bedient hat, um das Geheimniss dieser Machinationen zu entdecken, ist unbestreitbar; aber dass die Juden aus Interesse und mehr als irgend eine andere Klasse der Gesellschaft das Handwerk der Spionage betrieben hätten, dass kann ich nimmermehr glauben. Ebensowenig bin ich der Ansicht, dass der Erzbischof für seinen Verdacht sicherere Gründe gehabt hat, als den Geist des Glaubenshasses, von dem er als orthodoxer Geistlicher gegen die Juden erfüllt ist, und der, ich wiederhole es, nicht ohne Einfluss auf den allgemeinen Geist seiner Mitbürger ist. Allein ich halte mich überzeugt, dass die Hauptursache aller dieser Verfolgungen ein einfacher Geschäftsneid ist, wie der Fürst Michael selbst mir bereits vor längerer Zeit eingestanden hat, als er mir sagte, dass die Juden zu billigeren Preisen verkauften und zu einem niederigeren Zinsfusse ihr Geld ausliehen, als die Serben. In Folge der Instructionen der Regierung Ihrer Majestät that ich nun von Neuem Schritte zu Gunsten der Juden; und wenn ich es, trotz des wohlwollenden und eifrigen Beistandes des Herrn Philipp Christich, der damals Minister der auswärtigen Angelegenheiten war, nicht

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