Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Nachricht] / Frankel, Zacharias
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 440 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829346-2829358--10951-2863276- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
440 Nekrolog. das eigentliche Zeichen des Genius an sich: eine seltene Vereinigung der Geistestiefe und der Gemüthswärme. Wir hesitzen von Rapoport treffliche Poesien, die die tiefste Gemüthswärme hauchen; und welche zart empfundene gemüthliche Seite wusste er den von ihm Biographirten abzugewinnen! Und es siehet zumeist sich der ihm Nahestehende verlegen, wohin zuerst den bewundernden Blick richten, ob auf die Höhe seines Geistes oder die Tiefe seines Gemüthes. Der treffliche Mann war mit den seltensten Tugenden geziert: er vereinigte mit ungemeiner Herzensgüte eine die Gemüther gewinnende Sanftmuth, sein Umgang entzückte durch die unaufhörlich seinen Lippen entströmende Belehrung und war erquickend durch grenzenlose Bescheidenheit, die den Gelehrten, den Hochgestellten ganz vergessen liess. — Doch waren dem Edlen Kämpfe nicht erspart. In seinen früheren Jahren mit Nahrungssorgen ringend, die ihn an seine Studien erst in den der Ruhe geweihten nächtlichen Stunden gehen Hessen, hatte er in späterer Zeit in seiner Heimat fanatischen, sich zur Verfolgung steigernden Angriffen abzuwehren. Aber der grosse Mann wurde in der Ferne nach seinem hohen Werthe erkannt: die grösste und durch ihr Alter ehrwürdigste Gemeinde Deutschlands ״Prag", berief ihn im Jahre 1839 an ihre Spitze. Dort wirkte er als wahrhafter Priester in Güte, Hingebung und Versöhnlichkeit, und wie er sich die Liebe Aller erworben, bekundete die tiefe Trauer der vielen Tausende, die sich um seine Bahre versammelten, um dem hochgeschätzten Lehrer den letzten Tribut zu zollen. -- ״Friede mit ihm", so ruft mit thränendem Auge der Unterzeichnete, dem er durch mehr als dreissigjährige Beziehungen Freund und Lehrer war; sein Name bleibt unvergänglich durch seine Schriften, sein Andenken unvergesslich seinen Freunden und den ihm Näherstehenden durch die seltensten, sich in ihm zu einem” Lichtkranz vereinigenden Tugenden! F r a n k el.