Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Nachricht] / Frankel, Zacharias
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 439 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nekrolog. 439 vor; man war sieh bewusst: ״es ist ein Grosser in Israel gelallen". Sein Lebensbild zu entwerfen, gestattet nicht die Frische des Schmerzes, der, obschon der Hintritt des mit schmerzlicher Krankheit seit längerer Zeit Kämpfenden nicht unerwartet kam, dennoch lebendig ist. Rapoport war ein grosser Mann, gross an Gaben des Geistes und des Herzens. Wirft man einen Blick auf seinen Bildungsgang, so gewahrt man schon in dem Jungling den hervorbrechenden Genius. In Galizien heranwachsend, in Kreisen, wohin kein Strahl klassischer Bildung drang und nur die taliriudische Literatur ihm geöffnet war, in die er sich auch vertiefte und .sich einen unerschöpflichen Schatz talmudisehen Wissens aneignete, wusste er sich mit den deutschen Meisterwerken bekannt zu machen und sich die Kenntniss der griechischen, lateinischen, französischen und arabischen Sprache anzueignen. So bahnte er sich selbst, belehrend und erziehend, unter tausend Schwierigkeiten seinen Weg; die grossen Geistern eigene Genialität bewahrte ihn vor der dein Autodidakten gewohnlich anhaftenden Einseitigkeit, und er setzte sich ein Ziel, das nur dem mit seltenen Geistesgaben und dem mannigfachsten Wissen Ausgerüsteten erreichbar war. An diesem Ziele langte er nun zur Bewunderung der Mit- und Nachwelt an: Rapoport ist der Vater der nachtalmudischen und weit in die talmudische Zeit hinüberreichenden Literaturgeschichte, sein Adlerblick entdeckte die entlegensten Schätze, die er mit seltenem kritischen Geiste sichtete und durch die scharfsinnigsten Combinationen zu einem harmonischen Ganzen verband. So trat er mit seinen Biographien berühmter Gelehrten hervor, die, von den Zeitgenossen angestaunt, stets ein kostbares Juwel der jüdischen Literatur bilden werden. Diesen Biographien folgten mehrfache, ebenfalls von ungemeiner Gelehrsamkeit und seltener kritischer Tiefe zeugende Monographien, sein grosses Werk Erech-Millin, ein alphabetisch geordnetes Reallexicon der in den Talmuden, Midraschim u. 8. w. vorkommenden hervorragenden Männer und historischen, geographischen und archäologischen Notizen, von dem der erste Theil Prag 1852 erschien und der wohl, da das Manuscript zum grossen Theile druckfertig vorliegt, hoffentlich bald ganz erscheinen wird, bildete den Schlussstein. — Bewundert man in diesen Werken den scharfsinnigen Gelehrten, so lernt man auch in ihnen den wahrhaften Menschen achten; sie tragen