Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der Aufruhr in der Judenstadt zu Frankfurt a. M. am 22. August 1612
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 7)
- Language
- German
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436 Recensionen und Anzeigen. bestrebt sind. Und so bewahrt es sich in der vorliegenden metrischen Uebersetzung der Klagelieder Jeremia’s, deren Verfasser der zu Triest lebende Herr Dr. G. Barzilai. Er fühlte sich, wie er in der Vorrede sagt, zu dieser Uebersetzung zum Th eil durch einen äusseren Umstand aufgefordert: die italienische Dichtkunst besitzt noch keine der Klagelieder würdige Version, die Ueber- Setzung P. Manzoni’s, die von den Herausgebern des Parnasso italiano sehr gepriesen wurden und noch weniger die zuletzt erschienenen des Morgana haben ihre Aufgabe erfüllt. Der Verf. fühlte sich aber auch von einem inneren, überwältigenden Gefühle getrieben. Jeremias ist, sagt Herr B. iin Vorworte, vorzugsweise der Dichter des Schmerzes. ״Belebt vom Geiste Gottes, der ihn anfeuert und erregt, voll von dem heiligen Enthusiasmus, welcher die gewöhnlichen Grenzen der Zeit und des Raumes durchbricht, erfasst er den Leser im Innersten, reisst ihn mit Gewalt fort und lässt ihn alle Stufen des Mitleids, des Schreckens und des Entsetzens bei der Erzählung der unerhörten Unglücksschlage durchlaufen, welche das Volk treffen, und der noch schrecklicheren in dem unwiderruflich gegen die Königin der Völker geschleuderten Untergang. Keine Feder hat je lebendiger die traurigen Schatten des Unglücks gezeichnet, keine die Schläge, mit denen Gott die widerspänstige Creatur gestraft, keine die Ketten der Sclaverei mit düstrerem Klange widerhallen lassen". Herr B. ergeht sich hierauf in einer beredten, hinreissenden Schilderung der Zustände, in die uns die Klagelieder versetzen, er wird hier fast selbst zum Dichter, man erkennt, wie tief er mit dem Propheten gefühlt, wie er dessen Schilderungen in sich aufgenommen und sie durchlebt, wie er von dessen tiefen Wehen ergriffen mit ihm getheilt. Und so fühlte er sich gedrungen, diese Elegien wiederzugeben, wobei ihm die melodische italienische Sprache nicht wenig zu statten kam. Es liegt hier eine der gelungensten Uebersetzungen vor, die in dem mit dem hehr. Text nicht bekannten Leser das tiefste elegische Gefühl erweckt, und den Kenner des Textes mit Achtung vor dem Verf. erfüllt, der mit seltener Treue das Original wiedergibt und nur da abweicht, wo durch ängstliche Treue das Verstandniss des Textes Schaden erleiden würde. Hier diente ihmLuzzatto zum Vorbild. Zwar erheischte die poetische Uebersetzung manche neue Wendung, auch musste manches Wörtchen angefügt wer-