Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Authentische Actenstücke über die gegenwärtige Lage der Juden in Serbien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 20)
- Language
- German
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420 Ueber die gegenwärtige Lage der Jaden in Serbien. Voll Vertrauen auf Ihr Wohlwollen, sowie auf das Wohlwollen der ganzen serbischen Regierung, habe ich die Ehre, mit der grössten Hochachtung zu zeichnen Ew. Excellenz unterthänigst und gehorsamste Dienerin gez. Bohora Isaak Mischulam. Belgrad, den 11. Juni 1863. Vorstehende Petition befindet sich in Abschrift unter den dem englischen Parlamente vorgelegten Aktenstücken als Anhang zu einem Briefe, des Generalconsuls Longworth an Earl Rüssel. In demselben Briefe theilt der General- Consul auch den Bescheid mit, den er vom serbischen Finanzminister Herrn Zukitsclf, dem Vertreter des abwesenden Ministers des Aeusseren, Herrn Garasehanin, in dieser Angelegenheit erhalten hat. Herr Zukitsch behauptet, durch die Nachricht von der gewaltsamen Taufe des erwähnten Mädchens zuerst in grosse Entrüstung versetzt worden zu sein. Später jedoch habe er sich wieder beruhigt, als er erfahren, dass die Bittstellerin selbst erklärt habe, seit einiger Zeit hätte zwischen Ihrer Tochter und deren Entführer ein unerlaubter Umgang stattgefunden und sie sei daher nicht gewillt, ihre Tochter wieder zurückzunehmen Der Herr Minister mag nun natürlich den Ruf des Mädchens nicht auf das Spiel setzen und gibt dasselbe der Mutter und dem jüdischen Glauben nicht zurück. Allein die vom Herrn Gen er ab Consul bei den Juden in Chalatz ein gezogenen Erkundigungen thun dar, dass die Mutter keineswegs eine solche Erklärung abgegeben und dass sie sich von ihrer Tochter nicht losgesagt habe. Der General-Consul ist auch weit eher geneigt, den Versicherungen der Juden als denen des Herrn Ministers Glauben zu schenken und erblickt in dem Verfahren der serbischen Regierung, die einen solchen Gewaltact gut heisst, ein neues Zeichen der Willkür und Intoleranz der Serben. (Schluss folgt.)