Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Authentische Actenstücke über die gegenwärtige Lage der Juden in Serbien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 19)
- Language
- German
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der Jaden in Serbien. 419 ging ich mit meinen Freunden zum Herrn Unter-Präfecten, um ihn von dem Verschwinden meiner Tochter in Kenntniss zu setzen. Derselbe versprach mir, augenblicklich die nöthigen Befehle zu ihrer Aufsuchung zu ertheilen; aber da er gleichwohl damit zögerte, schickte ich nochmals Leute an ihn ab, um seinen Schutz zu erbitten. Doch statt Wort zu halten, zeigte er sich gegen meine Abgesandten sehr gereizt und sagte, er werde ihnen die Bastonnade geben lassen, wenn sie sich erlaubten, ihn nochmals mit dieser Angelegenheit zu belästigen. Zugleich liess er vor allen jüdischen Häusern Posten aufstellen mit dem Befehle, diese Nacht keinen Juden aus seinem Hause zu lassen. Ich brachte die Nacht mit meinen Freunden in der schrecklichsten Angst zu; am folgenden Tage, den 18., wartete meiner ein noch grausameres Schauspiel. Die Kirche von Ohalatz war schon frühzeitig gefüllt, eine Menge Soldaten und Gensd’armes bildeten Spalier vor der Kirche und wachte darüber, dass kein Jude sich nahte und durch seine Anwesenheit die nationale Feierlichkeit trübe. Und was für eine Feierlichkeit war es? die Serben tauften ein junges jüdisches Mädchen, das man Tags zuvor seiner Mutter entrissen hatte, der für ihre alten Tage keine andere Stütze als dieses Mädchen geblieben war. Da ich weiss, dass dies Verfahren der Chalatzer Be׳ hörden den Gesetzen des Landes direct zuwiderläuft, und da ich gewiss bin, dass unser Souverain und seine gerechte und wohlwollende Regierung entrüstet hierüber sind, bitte ich Sie, Herr Minister, und zugleich die serbische Regierung, geneigtest veranlassen zu wollen, dass meine Tochter mir so bald als möglich wieder zurückgegeben werde. Ich bitte darum im Namen der Rechte der Familie, im Namen der Rechte der Menschlichkeit und Civilisation. 32*