Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 10 · p. Seite 392

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 10
Article
[Rezension] / R.
Date
1867-01-01
Page
Seite 392 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829346-2829357--10882-2863204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

392 Recensionen und Anzeigen. die hauptsächlichste Geschichtsquelle bildet, so könnten wir eher ein Zuviel beklagen und es bedauerlich finden, dass in unserem alten einfachen Schriftthum mehr gesucht wird, als ein unbefangener Leser darin zu finden vermag, dass es hin- und hergezerrt wird, um entweder dem Judenthum vollständig fremden Anschauungen eine Stütze zu bieten oder um den bizarren Einfällen geistreicher hierhin und dorthin irrlichtender Geister als^Staffage zu dienen־. Aber über die nun folgenden zwei Jahrtausende jüdischer Geschichte scheint ein Interdict zu walten; so sehr hüten sich gewöhnlich deutsche Schriftsteller und deutsche Leser, mit derselben in Berührung zu kommen. Der deutsche Gelehrte beschäftigt sich mit Cultur und Geschichte der entlegensten Stämme — es ist ja der Vorzug deutscher Wissen- Schaft, dass sie kosmopolitisch, dass ihr Nichts fremd ist, — die jüdische Nationalität, die um ihn herumwohnt, überlässt er — den Roman- und Possenschreibern. Wohl werden die Ur- Sprünge des Christenthumes demjenigen ewig dunkel bleiben, der mit den eigenthümlichen Formen des socialen, religiösen und gedanklichen Lebens, welche das Judenthum der damaligen Zeiten ausgebildet hat, nicht vertraut ist, und wer ein vollständiges und sicheres Verständnis8 der Cultur- und Wissenschaftliehen Entwicklung des Mittelalters erzielen will, der wird eingehender Studien über die Juden jener Zeit nicht entrathen können. Indess der Deutsche ist nun einmal zu vornehm, um sich mit jüdischem Trödel abzugeben, so vornehm, dass selbst die ausgezeichneten Arbeiten jüdischer Autoren, welche in den letzten Jahrzehnten sich eifrig beschäftigt haben, aus dem fast verschütteten Schacht der Vergangenheit ihres Volkes das edle Metall heraufzuholen, in nichtjüdischen Kreisen nur wenig Leser finden. Und damit unsern Worten das Zeugniss eines unparteiischen Mannes nicht fehlen möge, setzen wir folgende zwei Sätze Otto Stobbe’s her: ״Die deutschen Rechtshistoriker, meint er, pflegen die Juden und ihr Recht nur obenhin zu berücksichtigen" und an einer anderen Stelle sagt er: ״die Werke über Geschichte der Juden sind in nicht jüdischen Kreisen so wenig bekannt, dass selbst die Gebildeten, wie ich mich häufig zu überzeugen Gelegenheit hatte, über die Geschichte dieses Volkes in Deutschland nur unvollkommen unterrichtet sind".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.