Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Moses Mendelssohn über Belohnung
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 3)
- Language
- German
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Analekten. 271 Miene, ein einfaches Zeichen des Wohlwollens hat!Einfluss auf das Ganze, und wäre es auch nur in dem Sinne eines Wassertropfens, der auf die ruhige Fläche des Weltmeeres Fällt. Ich wünschte doch, dass die um die Welt verdienten Männer schon hienieden für ihre Mühen belohnt würden, dass jede Tugend auch ihre Belohnung fände und dass sie nie undankbar gegen Denjenigen wäre, der sie übt. Mendelssohn. Welche Grösse, wenn man nur des Lohnes wegen arbeitet! Die Belohnung ist vorhanden, und das genügt. Ob wir im Diesseits oder im Jenseits die Früchte unserer Miihen gemessen — begnügen wir uns mit dem Bewusstsein, dass die Tugend nie ihr Ziel verfehlt. Das ist der Reiz, der das Leben verschönert. Der dem Anschein nach zweifelhafte Erfolg der Tugend gibt der Seele jene Beharrlichkeit, ohne welche für sie weder Tugend noch Grösse vorhanden wäre. Wenn das Gift unter seiner natürlichen Form erschiene, wenn die heilsamsten Kräuter auch die wohlschmeckendsten wären, so hätte die Mässigkeit keinen Anspruch auf Verdienst, so bliebe dem Menschen nichts zu thun übrig. Hennings. Nicht doch! Ich wünschte keineswegs, dass die Tugend uns so leicht würde, dass sie durchaus keine Anstrengung erforderte, aber ich wünschte, dass ihre Mühen und ihre Qualen zu einem sichern Ziele führten. Mendelssohn. Zweifeln Sie daran? Nicht darf das ganze Glück im Gefühl liegen; es hängt sehr oft von der Vernunft, von der innern Ueberzeugnng ab, Gutes vollbracht zu haben. Wer sich gesteht, dass er für die Tugend arbeitet, und wäre der Vortheil, der aus seinen Arbeiten erspriessen kann, noch so fern, er wird sich nie unglücklich, immer beruhigt finden, trotz der Undankbarkeit, mit der die Welt ihm begegnet Kay serling.