Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Beiträge zur samaritanischen Pentateuch-Übersetzung und Lexicographie
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829346-2829354-2862955--10691-2862982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Uebersetzung und Lexicographie. 253 Wenn wir nach dem Stande der heutigen Sprachforschung wohl berechtigt sind, in der Sprache eines jeden Volkes ein mehr oder minder treues Spiegelbild seines Geistes und den treuesten Ausdruck seiner Anschauungs- und Denkweise, ja sogar den sichersten Hinweis auf seine älteste Geschichte zu erblicken, so ist dieses bei dein samaritanischen Idiom ganz besonders der Fall. Ihre Sprache ist im Ganzen und Grossen eine breite, schlaffe Mundart des Chaldäischen, die, wie wir aus einer Angabe des Talmud wissen, auch in Palästina gesprochen wurde; doch enthält sie auch eine nicht geringe Anzahl eigenthumlich gebauter, ganz fremdartiger, zum Th eil unsemitischer Wurzeln, die zumeist allen Erklärungsversuchen spotten und von den Linguisten ״Kuthäische Wurzeln“ genannt werden. Aus dieser Beschaffenheit des samaritanischon Idioms können wir mit Recht den Schluss ziehen, dass die Samaritaner, weder wie sie selber behaupten1), rein israelitischen, noch auch, wie jüdi- *) Vergl. hierüber und über das Folgende unsere Dissert. S. 53 f. Die Samaritaner behaupten seit den ältesten Zeiten, der Raine ״Cuthäer" (כותים), den die Juden ihnen beilegen, um sie als heidnische Einwanderer zu bezeichnen, sei ein verleumderischer Schimpfname; sie wären ihrer Abstammung nach Israeliten und müssten so genannt worden. Sie selber bezeiclmeten sich von jeher mit besonderer Vorliebe als Israeliten (בני ישראל, ישראל , ), besonders im Gegensatz zu den Juden, und haben zu Gunsten Israel’s, worunter sie sich verstanden wissen wollen, schon in ihrem Pentateuch manche Emendation getroffen, darunter auch eine Deuter. 32, 9, wo sie zu dem Verse כי חלק יהוה עמו יעקב חבל נחיתתו am Schlüsse ישראל hinzufügen, wodurch sie, die nach der Fassung des jüdischen Textes leer ausgehen, als חבל נחלתו bezeichnet werden. Daraus geht zugleich hervor, dass sie, die ausschliesslich ישראל sein wollen, unter יעקב ״Juden" verstehen. Zusammengehalten mit dieser Emendation und den widersprechenden Behauptungen der Juden und Samaritaner in Bezug auf die Abstammung letzterer, gewinnt eine bisher unbeachtet gebliebene Stelle im II. B. der Kön. eine besondere Wichtigkeit. Nachdem die heidnischen Völker, aus denen die Samaritaner entstanden sind (Cap. 17 V. 24 f.)5 aufgerechnet werden, die nur durch Löwen zur theilweisen Anerkennung Gottes gezwungen wurden, werden die einzelnen Götzen dieser Völker namhaft gemacht. Darauf wird