Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension] / St.
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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235 Recensionen und Anzeigen. schauungen, oder durch seine Vorurtheile. In hohem Grade muss es uns daher befremden, wenn wir in der Vorrede des uns vorliegenden Werkes eine Polemik gegen diejenige religiöse Richtung unserer Zeit finden, welcher Herr Weiss vor noch nicht langer Zeit ebenfalls angehörte, von der er aber sich jetzt, wie es scheint, vollständig losgesagt hat. •Scheint es doch fast, als sei Herr Weiss der Ansicht, der äussere Bau der Mischnasprache könne von einem Forscher, der eine Vorliebe für das Alte und Althergebrachte hat, fälschlich als den Vor- Schriften des byzantinischen Styls entsprechend beschrieben werden, während der Herr Verfasser uns nachweisen kann, dass derselbe entschieden dem gothischen Style seine Formen entlehnt habe — scheint es doch, als ob Herr Weiss seine Gegner auf religiösem Gebiet für unfähig halte, über die Riehtigkeit oder Unrichtigkeit dieser oder jener Satzbildung zu urtheilen, die Abstammung dieses oder jenes Wortes zu erkennen. Zwar will er nicht alle seine Gegner mit dem Vorwürfe vollständiger Urtheilsunfähigkeit brandmarken, sondern er hebt ausdrücklich hervor, dass Einzelne derselben auch kritisch zu Werke gehen können: allein diese sind zu feige, die volle Wahrheit zu sagen und sagen desshalb immer nur die halbe Wahrheit. Hätte uns Herr Weiss Studien über die Mischna im Allgemeinen angekündigt, dann würden diese seine polemischen Worte einen Sinn haben; wir würden alsdann aus denselben entnehmen können, dass für ihn die Mischna keineswegs höher stehe, als irgend ein anderes Werk, das er seiner Kritik unterbreitet, dass für ihn ihre Lehrsätze keineswegs einen heiligen Charakter haben: allein Herr Weiss hat uns ein Werk über die Sprache der Mischna angekündigt, und nun wissen wir in der That nicht, wie wir seine vorwurfsvollen Worte zu deuten haben. Oder ist es in der That eine Entdeckung von ungeheurer Tragweite, die das ganze religiöse Leben zu untergraben droht, und die man desshalb ängstlich verschweigen sollte, wenn gefunden wird, dass dieses oder jenes Wort, das man bisher für echthebräisch gehalten, aus dem Griechischen herübergenommen wurde, dass diese oder jene Redewendung nicht im klassischen Hebräisch gebraucht wurde? Doch sehen wir ab von diesen durch den falschen Partei-