Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein vergessener Zeitgenosse Mendelssohn's
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829346-2829352-2862797--10554-2862836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
"166 Ein vergessener ״Zeitgenosse Mendelssohn1 s\ düngen als ein schwaches Opfer innigster Treue »auf die unterste Stufe Deines gottähnlichen Thrones. Währheit streuet Weyrauch, dessen Körner sie aus dem unsterbliehen Ruhme Deiner preis würdigen und wohlthätigen Regierung, die nur Menschenglück haucht, gesammelt hat. Der Ehrfurcht dankbares Feuer zündet’s an, dessen Flairiי men so wenig verlösche, als Joseph’s II. grosser Name eine ausgeschüttete Salbe sein wird, deren guter Geruch in Ausflüssen der Erquickung auch auf das niedrige Israel strömt. O sei gesegnet, auserwählter Liebling des Herrn! Jedidjali! Du Gesalbter Gottes! Sei ewig gesegnet mit Deinen glücklichen Staaten, in welchen Dein erhabener Geist zu ewigen Ernten fruchtbare Saaten säet. Der Herr Zebaoth wird sein hiernieden, im Vorhof der Ewigkeit, Dein Schild — und dorten, in seliger Vollendung, Dein grosser Lohn. Gesegnet sei Deine Krone immer und ewiglich!" Wir haben diese Rede von ״fremdem, orientalischem Schwung", die auch zugleich als Probe seines Stils dienen kann, gern hier wiedergegeben 5 man muss dem Verfasser die sprachlichen Schwächen, die stark aufgetragenen ßilder und den etwas sehr gewagten Vergleich zu gute halten, es war jedenfalls ehrlich gemeint־ und mag der Erguss seines ״dankesgerührten Herzens“ in der die Ueberschwänglichkeiten liebenden Kaiserstadt auch recht wohlgefällig aufgenommen worden sein. Hätte er sich aber mit der Prosa begnügt und sich in seiner ״gerührtesten Unterwürfigkeit" nicht auch noch zu Versen verleiten lassen! Er schickt seiner Parallele noch ein Gedichtchen voran, das wahrlich in'8 Triviale übergeht und worüber Kaiser Joseph selbst herzlich gelacht haben mag. Hier ist es: Ehe Joseph noch den Scepter führte, Was that Er? — Er philosophirte, Und nun, seit Er den Scepter fuhrt, Wird, was E1* sonst philosophirt, Mit seltner Weisheit ansgeführt. Eühlt’s, Völker! jene güld’ne Zeit, Die Plato wünschte, zeigt sich heut. Den Scepter führt ein Weiser, Es philosophirt ein Kaiser.