Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
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T ׳ Recensionen tind Anzeigen. 77 genden Deutschlands, immer dieselben Greuel, von den Landesherren, der Geistlichkeit und dem Pöbel begangen worden, wie immer dieselben Vorwürfe, welche ebenso wie die Anschuldigungen, denen in den Gegenprocessen Tausende zum Opfer fielen, das beklagenswerte Erzeugniss unglaublicher Dummheit und abgefeimter Bosheit sind, gesucht und gefunden wurden, um das unglückliche Volk zu peinigen und zu martern.u Fachmännern können wir nicht genug die 189 Anmerkungen hinter dem Texte empfehlen. In denselben sind die entlegensten Quellenschriften benutzt und kritisch nutzbar gemacht. Im Anhang beleuchtet Verfasser die Judenprivilegien, welche nur ertheilt worden zu sein scheinen, um übertreten zu werden. Das älteste rein deutsche Privilegium ist das vom Bischof von Speier von 1084, welches Kaiser Heinrich IV. später für dieselbe Gegend bestätigt hat. Dieses Privilegium ist wenig ausgenutzt worden, nur Kaiser Friedrich II. legte es seinem Statute für die Wiener Gemeinde 1238 zu Grunde, liess aber mehrere Paragraphen weg, woraus Verfasser mit Recht eine Veränderung in der Stellung der Juden folgert. — Das zweite wichtigere Privileg ist das vom Herzog Friedrich dem Streitbaren von Oesterreich 1244 ertheilte, das bekanntlich von vielen deutschen und slavischen Fürsten pure angenommen wurde. Verfasser theilt es in extenso mit, um es textkritisch nach fünferlei Urkünden zu berichtigen. Ein abweichendes Privilegium ist das vom Herzog Heinrich von Meissen erlassene, das auch im Anhang vollständig mitgetheilt wird. Das Datum, dieses Privilegs schwankt zwischen 1245 und 1265 (wegen der römischen Zahlen). Verfasser entscheidet sich für das letztere Datum und mit Recht. Wir scheiden vom Verfasser mit dem ein wenig unbescheidenen Wunsche: er möge die Geschichte der Juden in Frankreich, weiche bis zu Ende der Karolinger doch recht eigentlich zur deutschen Geschichte gehört, mit derselben Gründlichkeit und Uebersichtlichkeit behandeln. Es ist das eine eben so schwierige wie nothwendige Arbeit, welcher Verfasser allein gewachsen ist. G.