Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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42 rechnen hat, und die dann mit subjectiver Meinung auf* treten, ein gewichtiges Wort darein sprechen und oft strenge Rechenschaft verlangen von den kriegführenden Mächten. Die jüngste Vergangenheit hat za Ungunsten eines gar mächtigen Reiches entschieden, und mit der einfachen Thatsache nicht befriedigt, fragt man allerorten nach dem Warum? Die Waffen haben ihre Arbeit eingestellt und nun beginnen die Köpfe und Federn ihre volle Thätigkeit; kaum sind die körperlichen Wunden der Krieger vernarbt und schon sucht man geschäftig nach dem Balsam für die innern, für die geistigen Wunden. Allervvärts regen sich die Gemüther und Hände, allerwärts ist man vollauf beschäftigt, die Jahresrechnung zu ziehen; doch das Facit des vergangenen Jahres lässt sich diess Mal nicht so leicht abschliessen. — Vor Allem aber richtet sich der schweifende Blick nach jenem Staate hin, der von dieser thatenreichen Zeit am härtesten betroffen und am meisten aufgestört und aufgerüttelt ward. Da geht es gar wundersam bunt her und da sieht es gar buntscheckig aus; da drängen sich die Wahlverwandtschaftlosen Elemente mit aller Macht und Schroffheit hervor, da will ein jedes von ihnen allein in den Vordergrund treten, jedes sich alleinige Geltung verschaffen. Unter gleichen Klagen grundverschiedene Forderungen und Wünsche, vielsprachig und vielverlangend — eine wahre Sturm־ und Drangzeit. — Ein stattliches Gebäude ist in Brand geratheil, und aie Bet’ohner desselben, anstatt mit vereinigter Macht das Haus vor 0*>יי drohenden Zusammenstürze zu wahren, vertheilen sich einzeln in die verschiedenen Gemächer und Winkel, um das Bischen armselige Hab und Gut zu retten, sie haben eben Eile. das Haus könnte über ihnen zusammen brechen, für das Haus selber aber haben sie kein Interesse, und sie klagen noch obendrein den Herrn des Hauses der moralischen Urheberschaft dieses Unglücks an, dass er für ihre Sicherheit, für die Feuerfestigkeit und für Schutzmittel zu wenig gesorgt, dass er sich zu viel ausser dein Hause beschäftigt, sich zu viel um Fernliegendes und Fremdes und zu wenig um sein ei genes Haus bekümmert habe. Was sie unter diesen Schutz- Ein Blick auf die Juden in Galizien.