Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient un der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 11)
- Language
- German
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- in Frankreich, Italienj dem Orient u. d. Nordküste Äfricä’s. 371 Am folgenden Tage, einem Sabbathe, verfügten wir uns nach Beendigung .des Gottesdienstes, der in einem von der kleinen und armen Gemeinde gemieteten Zimm er eben des Klosters der Derwische abgeb alten wurde, zu dem alten Selama, dem Hohenpriester, mit welchem der verstorbene Sylvestre de Sacy in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts in Briefwechsel gestanden hatte, und der jetzt bei seinem Sohne und Nachfolger Amrain wohnte. Er las und erklärte gerade einer kleinen Anzahl ziem- ]ich bejahrter Männer den Wochenabsclmitt. Dann folgteil wir ihm in die Synagoge, wo gegen zwei Öhr Nachmittags der öffentliche Gottesdienst abgehalten wurde, bei welchem dreiundsechzig Männer, die das dreizehnte Jahr zurückgelegt hatten, anwesend waren. Die Totalsumme der samaritanischen Bevölkerung, Frauen und Kinder eingerechnet, betrug zu jener Zeit hundert und vierundreissig Seelen. Auf diese kleine Ziffer hat sich die Zahl derjenigen reducirt, die im Alterthume die Ursache so heff tiger Feindschaft und so vieler Leiden in der jüdischen Geschichte gewesen waren Die Familie des Hohen- Priesters, die uns des Abends nach Ausgang des Sabbats besuchte, besteht aus ihm und zwei jungem Brüdern; er selbst hatte keine Kinder. Die Ceremonien haben grosse Aehnlichkeit mit den Gebräuchen der Muhammedaner, und der Name Moses wiederholte sich alle Augenblicke in dem Gebete, das wir hörten. Des . Abends stiegen wir mit unserem Gaste auf die Terrasse und bewunderten die Schönheit der Landschaft, während uns der Hohepriester die Bosheit der dortigen Einwohner schilderte, die als die grausamsten des ganzen Landes berüchtigt sind. Dann gesellte sich auch noch ein Derwisch zu uns, der, natürlieh für klingende" Münze, Gebete für unsere glückliche Rückkehr hersagte. Darauf machten wir «11s wieder auf den Weg nach Jerusalem, woselbst wir Sonntag anlangten, um die nöthigen Vorbereitungen für die Einweihung des Hospitals zu treffen, die auf Mittwoch den 26. Juli, den ersten Tag des Monats, Ab 0614, festgesetzt war. Der Tag selbst ist ein Gedenktag in der neuern Ge-