Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 10)
- Language
- German
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310 Recensiohen und Anzeigen. י noch so vielen Proben und Beispielen versehen, wohl schwer-- lieh erlangen. Immer wird eine fragmentarische Reproduction hinter dem Producte weit Zurückbleiben., Und selbst die eigentliehe Lecture wird nicht jenes Eindrucks voll und ganz theilhaftig werden lassen, wenn sie nicht von einer thätigen Phantasie unterstützt wird, die gewissennassen die Kanzel und den Redner herbeizaubert, und zumal unsern Redner mit seiner hohen, imponirenden Erscheinung, mit der lebendigen Kraft des begeisternden Wortes. Wir konnten eben hier nur das Was, das Wie aber nur wenig hervorheben. Erst im Ganzen, im Zusarnmenhange treten alle Innern und äussern Schönheiten, alle Haupt- und Nebeneigenschaften, jene rhetorischen Hülfsmittel, jene rednerischen Ornamente zur schönen Einheit zusammen. Was ist nach dieser Seite hin in diesen Predigten zu finden? Eine kraftvolle, in reichster Fülle dahinwogende Sprache, herrliehe Antithesen, feine überraschende Anspielungen, originelle Versanwendungen, innige und sinnige Deutungen. So viel aber ist schon aus dem Obigen zu ersehen, dass wir das Charakteristische, die Haupteigenschaft dieser Predigten nicht in dem Gedanklichen, sondern in dem Gemüthlichen zu suchen haben, das hier in seiner Ursprünglichkeit, in seiner Reinheit und Ungetriibtheit zum Ausdrucke kommt. Dieses eben stempelt diese Predigten zu echt populären Reden, im wahrsten und besten Sinne des Wortes. Religiöse Lehren und Wahrheiten werden in einer, der Fassungsgabe der Menge gemessen Weise dem Herzen des Volkes zugetragen. Jeder Gedanke entfaltet sich hier nach allen seinen Seiten; er wird recht breit, für Manchen vielleicht zu breit geschlagen, aber er wird eben dadurch in gangbare Scheidemünze umgeprägt, wie sie für den täglichen Verkehr nothwendig ist, wie sie auch der Unbemitteltste besitzt. Einfachheit ist daher der Hauptschmuck dieser Predigten. Nichts von Erzwungenem, von Manierirtem, von Künstelei, nur reine natürliche Empfindungen, wie sie der vollen Brust entströmen, wahrhaftige, fromme Begeisterung, wie sie sich aus einem poetischen Gemüthe heraussetzt und gestaltet. Diese Selbstbegeisterung des Predigers muss sich nothwendig den Zuhörern mittheilen, und wirkt mit einer überzeugenden Macht, wie sie die tiefsten und blendendsten Gedanken nicht auszuüben vermögen. Ja, wir möchten fast behaup-