Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Rückblick auf die Zustände der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 14)
- Language
- German
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294 Rückblick auf Zustande und' ׳Ereignisse der Juden. יי ein Rundschreiben, um den Gemeinden ihres Bezirks! ähnliche Einrichtungen ans Herz zu legen. Abdel-Kader führte damals an der Grenze der Provinz ־ und an der Grenze von Marocco Krieg, und der General von Arbouville, welcher in Abwesenheit des Generals! Lamoriciere die militärische Leitung der Provinz in Händen hatte, war so gütig, einer Soldatenabtheilung, die sich nach Tlemcen begab, Befehl zu geben, ihren Aufenthalt zu verlängern, um es mir zu ermöglichen, in dieser alten Gemeinde einen Sabbat zuzubringen. Die Stadt Tlemcen ist gewissermassen die Hauptstadt der jüdischen Bevölkerung, ehemals war sie die Hauptstadt eines arabischen Königreiches ־׳ und der Sitz einer berühmten Academie (Jeschibah)־, nach Tlemcen flüchteten sich unsere Brüder, und dort blieben sie während der spanischen Besetzung, die sie vor fünfhundert Jahren zwang, sich in das Innere des Königreichs zu begeben. Fast alle bedeutenderen Familien Orans stammen aus Tlemcen oder aus Marocco, und haben noch jetzt in dieser Stadt irgend einen alten Verwandten oder einen andem Gegenstand der Verehrung. Der General Renaud, der in Abwesenheit des Generals Cavaignac die Subdivision befehligte, nahm wohlwollend Antheil an allen Verbesserungen der Lage unserer Brüder, die damals noch sehr unsicher war, denn die Stadt war kaum drei bis vier Jahre in der Gewalt der Franzosen. Ich versuchte der in den verschiedenen Synagogen versammelten jüdischen Bevölkerung auseinanderzusetzen, wie gross die Veränderung sei, die durch die französische Besitzergreifung hinsichtlich ihrer Stellung eingetreten wäre, und welches die beste Art und Weise sei, um mit den religiösen Gefühlen, durch welche sie sich so sehr auszeichnete, auch die Vortheile einer freieren, besser geordneten Stellung zu vereinigen; denn nur dadurch sei den Juden Gelegenheit geboten, Berufszweige zu erwählen, durch welche sie sich sowohl der Regierung, die sie beschütze, als auch ihren in der Nachbarschaft ihres Landes noch unter hartem Drucke schmachtenden Brüdern nützlich machen könnten. (Fortsetzung folgt.)